Die Pharmaindustrie steht vor großen Herausforderungen. Immer speziellere Arzneimittel werden in immer kleineren Chargen produziert. Das hat Auswirkungen auf die Maschinentechnik. Statt Massenabfüllung fordert die Pharmaindustrie plötzlich Flexibilität von ihren Abfüllmaschinen – und der Maschinenbau liefert, wie ein Rundgang über die Achema 2024 zeigt.
Der Anteil biologischer Pharmazeutika in der Arzneimittelproduktion wächst stetig. Immer mehr der empfindlichen Produkte werden zugelassen und in kleinen Chargen hergestellt. Dieser Umstand hat Auswirkungen auf das Maschinendesign der Abfüll- und Verpackungsmaschinen. Das war an vielen Ständen in Halle 3 auf der Achema deutlich zu sehen. Wurden in der Vergangenheit Maschinen mit hoher Ausbringungsleistung genau auf ein Medikament zugeschnitten, werden heute immer häufiger flexible Linien, die sich schnell auf neue Produkte und andere Verpackungsformate umrüsten lassen, verstärkt nachgefragt. Immer mehr Hersteller bieten deshalb flexible Abfüllsysteme für diesen Bereich an, mit Namen wie Variosys, Multiuse oder Flexfill.
Flexibilität ist Trumpf
Abfüllen in Vial oder Spritze? Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Wenn möglich, bitte beides! Arzneimittelhersteller möchten heute flexibel sein … und die Maschinenhersteller haben reagiert.
Rychiger Pharmatech kombiniert für die Kleinserienproduktion von Biopharmazeutika die Z-Lab-Abfülltechnologie mit der Isolator-Technologie von Block Technologies. Das als Z-Cell bezeichnete System bietet eine flexible Lösung für die aseptische Abfüllung von Vials und Spritzen und erfüllt die Anforderungen von Annex 1 und GMP.
Syntegon hat mit Versynta eine Plattform für ein flexibles Füllsystem entwickelt, das Biopharmazeutika sowohl in RTU-Spritzen (Ready-to-Use) als auch in Bulkpackmittel im Isolator abfüllen kann. Um die Projektzeiten deutlich zu verkürzen, setzt Groninger auf das Flexfill-Konzept, das Flexibilität mit standardisierten Modulen kombiniert, die sowohl im Isolator als auch im RABS (Restricted Access Barrier System) untergebracht werden können.
Auch Bausch+Ströbel setzt auf Modularisierung und hat bei der neuen Combisys-Linie die Anzahl der Formatteile erheblich reduziert. Dadurch kann die Maschine vergleichsweise einfach von Vials auf RTU-Packmittel umgerüstet werden.
Neue Transportsysteme sorgen für Bewegung
Die neue Flexibilität erfordert ein Umdenken bei der Entwicklung von Maschinen und beim Maschinendesign. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Transport der Primärpackmittel durch eine Maschine. Wurden diese bis dato immer im gleichen Takt in der Maschine von A nach B transportiert, ermöglichen bei Bausch+Ströbel heute magnetische Transportsysteme innerhalb einer Maschine unterschiedliche Taktzeiten an den einzelnen Stationen. Das steigert die Flexibilität enorm und lässt völlig neue Maschinendesigns zu. Gleichzeitig macht der Magnetantrieb diverse Abdichtungen unnötig.




