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    Kennzeichnung fester Arzneiformen: Grundlagen, Anforderungen und Systemauswahl
    Foto: Foto: CRYSTALWEED cannabis / Unsplash
    Abfüllen, Verpacken & Kennzeichnen

    Kennzeichnung fester Arzneiformen: Grundlagen, Anforderungen und Systemauswahl

    Abfüllen, Verpacken & Kennzeichnen
    Veröffentlicht
    16. Oktober 2026
    Lesezeit
    5 Minuten
    Rubrik
    Abfüllen, Verpacken & Kennzeichnen

    In der pharmazeutischen Produktion fester Arzneiformen nimmt die Kennzeichnung eine Schlüsselstellung ein, die über die bloße Produktidentifikation hinausgeht. Ob Primärverpackung, Sekundärverpackung oder das Produkt selbst – jede Kennzeichnungsebene unterliegt strengen regulatorischen Vorgaben, die sowohl in der EU als auch in den USA und weiteren Märkten verbindlich definiert sind. Gleichzeitig stellt die Kennzeichnung einen kritischen Qualitätskontrollpunkt dar, an dem Fehler unmittelbare Auswirkungen auf die Patientensicherheit haben können. Mix-ups zwischen verschiedenen Chargen, falsche Verfallsdaten oder unleserliche Losnummern zählen zu den häufigsten Ursachen für Produktrückrufe.

    Für Produktions- und Verpackungsverantwortliche ergibt sich daraus die Aufgabe, Kennzeichnungssysteme auszuwählen, die technische Leistungsfähigkeit, regulatorische Konformität und Prozessintegration gleichermaßen erfüllen. Die Systemlandschaft reicht dabei vom einfachen Etikettierautomaten bis hin zu vollintegrierten Inline-Drucklösungen mit Bildverarbeitungssystemen und Track-and-Trace-Anbindung.

    Regulatorische Grundlagen: Was GMP und Arzneimittelrecht fordern

    Die Anforderungen an die Kennzeichnung von Arzneimitteln sind in mehreren Regelwerken verankert. In der Europäischen Union bildet die Richtlinie 2001/83/EG in Verbindung mit der delegierten Verordnung (EU) 2016/161 – der sogenannten Falsified Medicines Directive (FMD) – den rechtlichen Rahmen. Diese schreibt für verschreibungspflichtige Arzneimittel das Aufbringen eines 2D-Matrixcodes (DataMatrix) sowie eines individuellen Erkennungsmerkmals (Tamper-Evident-Siegel) auf der Sekundärverpackung vor. Der EU-GMP-Leitfaden, insbesondere Annex 16 sowie Kapitel 5, definiert darüber hinaus die prozessualen Anforderungen an Kennzeichnungsoperationen, darunter Line-Clearance-Verfahren, Reconciliation und die Dokumentation aller kennzeichnungsrelevanten Vorgänge.

    In den USA regeln die Titelabschnitte 21 CFR Part 201 und 211 die Inhaltsvorgaben sowie die prozeduralen Anforderungen der Kennzeichnung. Die Drug Supply Chain Security Act (DSCSA) verpflichtet Hersteller zur serialisierten Kennzeichnung auf Packungsebene und zum Aufbau eines elektronischen Rückverfolgungssystems über die gesamte Lieferkette. International harmonisiert die ICH-Guideline Q10 Qualitätsmanagementsysteme, die auch Kennzeichnungsprozesse einschließen. Für Exportmärkte sind zudem länderspezifische Anforderungen an Sprache, Schriftgröße, Pflichtangaben und Symbole zu berücksichtigen, was den Kennzeichnungsprozess in multinational agierenden Unternehmen erheblich verkompliziert.

    Kennzeichnungsebenen und ihre technischen Besonderheiten

    Bei festen Arzneiformen wird zwischen drei Kennzeichnungsebenen unterschieden: der Direktkennzeichnung des Produkts, der Primärverpackung und der Sekundärverpackung. Die Direktkennzeichnung von Tabletten – etwa durch Prägung (Debossing) oder Bedruckung mit Lebensmittelfarben – erfolgt bereits in der Tablettierpresse bzw. in nachgelagerten Coatinganlagen. Diese Methode dient vor allem der Produktidentifikation nach Entnahme aus der Originalpackung und stellt hohe Anforderungen an Druckkonsistenz und Farbhaftung.

    Auf Ebene der Primärverpackung – Blisterfolie, Flasche oder Sachets – werden Chargennummer, Herstellungsdatum und Verfallsdatum üblicherweise durch Thermodruck, Lasergravur oder Tintenstrahldruck direkt auf die Verpackung aufgebracht. Die Primärkennzeichnung unterliegt besonderen Anforderungen an Lesbarkeit und Beständigkeit, da diese Informationen auch nach Öffnen der Sekundärverpackung verfügbar bleiben müssen. Die Sekundärverpackung – in der Regel die Faltschachtel – trägt den vollständigen Pflichttext, den serialisierten DataMatrix-Code sowie das Tamper-Evident-Merkmal. Hier kommen vorwiegend Etikettiermaschinen, Inline-Drucksysteme oder kombinierte Druck-und-Etikettierlösungen zum Einsatz.

    Druckverfahren im Überblick: Technologieauswahl nach Anforderungsprofil

    Für die Kennzeichnung in der pharmazeutischen Feststoffproduktion sind verschiedene Drucktechnologien etabliert. Der thermische Transferdruck (Thermal Transfer Overprinting, TTO) eignet sich besonders für flexible Folien und liefert kontrastreiche, maschinenlesbare Codes bei hoher Druckgeschwindigkeit. Der kontinuierliche Tintenstrahldruck (Continuous Inkjet, CIJ) ist eine bewährte Lösung für die Inline-Kennzeichnung von Glasflaschen, Blistern und Kartonagen und ermöglicht hohe Liniengeschwindigkeiten bei vergleichsweise geringen Investitionskosten.

    Lasersysteme – insbesondere CO₂- und Faserlaser – bieten eine kontaktlose, verbrauchsmittelfreie Kennzeichnung mit dauerhafter Haftung. Sie sind besonders dann sinnvoll, wenn Kosteneffizienz im Langzeitbetrieb und die Vermeidung von Kontaminationsrisiken durch Tinten im Vordergrund stehen. Der digitale Inkjet-Druck (Drop-on-Demand, DoD) gewinnt an Bedeutung für die variable Datenkennzeichnung auf Faltschachteln, insbesondere wenn marktspezifische Textvarianten in kleinen Auflagen flexibel produziert werden sollen. Jede Technologie hat spezifische Stärken und Grenzen hinsichtlich Substratkompatibilität, Druckqualität, Wartungsintensität und GMP-Konformität, die eine sorgfältige Anforderungsanalyse voraussetzen.

    Inline-Verifikation und Bildverarbeitungssysteme als GMP-Anforderung

    Eine korrekte Kennzeichnung ist nur dann wirksam, wenn ihre Richtigkeit auch zuverlässig verifiziert wird. GMP-konformer Betrieb setzt voraus, dass jede gekennzeichnete Einheit einer automatischen Überprüfung unterzogen wird. Kamerasysteme mit integrierter Bildverarbeitung (Machine Vision) erfassen dabei Klartext, Barcodes und DataMatrix-Codes und gleichen sie mit den Soll-Vorgaben ab. Abweichungen führen zur automatischen Ausschleusung der betroffenen Packung.

    Moderne Systeme prüfen dabei nicht nur die Lesbarkeit, sondern auch die inhaltliche Korrektheit – also ob Chargennummer, Verfallsdatum und serialisierte Nummer den Erwartungswerten aus dem übergeordneten Produktionsleitsystem entsprechen. Die Verknüpfung mit MES- (Manufacturing Execution System) oder ERP-Systemen ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit aller Kennzeichnungsoperationen. Für die Validierung dieser Systeme gelten die Anforderungen des EU-GMP-Anhangs 11 (computergestützte Systeme) sowie die GAMP-5-Leitlinien.

    Serialisierung und Aggregation: Integration in die Verpackungslinie

    Die Serialisierung – das Aufbringen eines weltweit eindeutigen Identifikators auf jede Verpackungseinheit – ist in der EU und einer wachsenden Zahl weiterer Märkte für verschreibungspflichtige Arzneimittel verpflichtend. Technisch erfolgt dies durch das Drucken und Verifizieren eines DataMatrix-Codes, der neben dem GTIN (Global Trade Item Number) eine zufällig generierte Seriennummer, das Verfallsdatum und die Chargennummer enthält. Diese Daten werden an ein nationales Verifikationssystem (in der EU: NMVS, National Medicines Verification System) gemeldet.

    Die Aggregation geht einen Schritt weiter und verknüpft Einzelpackungen hierarchisch mit übergeordneten Gebinden – vom Karton über die Palette bis zum Versandbehälter. Diese Hierarchie ermöglicht es, bei einem Rückruf gezielt betroffene Chargen bis auf Einzelpackungsebene zu identifizieren. Die Integration von Serialisierung und Aggregation in bestehende Verpackungslinien erfordert sorgfältige Planung hinsichtlich Liniengeschwindigkeit, Systemarchitektur und Datenbankanbindung. Insbesondere Retrofit-Projekte an bestehenden Linien stellen hohe Anforderungen an die Systemintegration und Validierungsaufwand.

    Praxisrelevante Auswahlkriterien und Ausblick

    Bei der Auswahl eines Kennzeichnungssystems für die pharmazeutische Feststoffproduktion sind neben der Drucktechnologie folgende Kriterien entscheidend: die Kompatibilität mit vorhandenen Verpackungsformaten und Liniengeschwindigkeiten, die Qualifizierbarkeit und Validierbarkeit des Systems (IQ/OQ/PQ), die Verfügbarkeit von 21-CFR-Part-11-konformen Audit-Trail-Funktionen sowie die Integrationsfähigkeit in MES- und Serialisierungsplattformen. Hinzu kommen Betriebskosten, Wartungsfreundlichkeit und die Verfügbarkeit lokaler Serviceleistungen.

    Die Weiterentwicklung der Kennzeichnungstechnik wird maßgeblich von zwei Trends geprägt: dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz in Bildverarbeitungssystemen – insbesondere zur robusten Code-Verifikation bei variierenden Substrateigenschaften – sowie der wachsenden Bedeutung cloud-basierter Serialisierungsplattformen, die eine globale, marktübergreifende Verwaltung serialisierter Daten ermöglichen. Unternehmen, die heute in flexible, validierungsfreundliche und digital integrierte Kennzeichnungslösungen investieren, schaffen die Grundlage für eine zukunftssichere, regulatorisch konforme Verpackungsproduktion.

    Pharma

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