HPAPI-Anlagen als integriertes System planen | Pharma Prozesstechnik
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HPAPI-Anlagen als integriertes System planen
HPAPI-Projekte zählen zu den anspruchsvollsten Vorhaben in der pharmazeutischen Produktion. Am besten eignet sich der Turnkey-Ansatz für diese Anlagen.
HPAPI steht für „High Potency Active Pharmaceutical Ingredients“. Diese Wirkstoffe besitzen bereits in sehr niedrigen Konzentrationen ein hohes toxikologisches Potenzial. Für Anlagenbediener können sie daher ein erhebliches Risiko darstellen, wenn sie unkontrolliert freigesetzt werden. Entsprechend umfangreich sind die Sicherheitsmaßnahmen in der Anlagentechnik. Besonders Fill-and-Finish-Linien mit Isolatoren sowie Gefriertrocknungsprozesse müssen umfassend gegen den Austritt von Wirkstoffpartikeln abgesichert sein.
Ganzheitliche Planung
Bei Projekten für hochaktive Wirkstoffe beginnt die eigentliche Herausforderung bereits in der frühen Planungsphase. Anders als bei vielen anderen pharmazeutischen Anlagen sind Gebäudeinfrastruktur und Prozesstechnik eng miteinander verzahnt. Entscheidungen über Wirkstoffklassen oder Produktionsprozesse wirken sich unmittelbar auf die Auslegung von Gebäudetechnik, Abwasserbehandlung oder Abluftsystemen aus.
So kann beispielsweise die Klassifizierung eines Wirkstoffs darüber entscheiden, ob ein konventionelles Abwassersystem ausreicht oder ob eine zusätzliche Inaktivierung von Wirkstoffen erforderlich wird. Auch Gefriertrockner können spezifische Filterkonzepte für Abluftströme notwendig machen, um Wartungspersonal vor möglichen Kontaminationen zu schützen.
Solche Detailfragen zeigen, dass HPAPI-Projekte eine systemische Betrachtung erfordern. Neben Sicherheitsaspekten spielen auch wirtschaftliche und produktionstechnische Faktoren eine Rolle – etwa geplante Batchgrößen, Formatbandbreiten oder die Häufigkeit von Produktwechseln.
Unterschiedliche Wirkstoffrisiken
Nicht jeder hochaktive Wirkstoff stellt das gleiche Risiko dar. Viele Substanzen können bereits in sehr geringen Mengen gesundheitsschädlich sein, während andere unter bestimmten Prozessbedingungen relativ sicher verarbeitet werden können.
Besonders relevant ist dabei der Aggregatzustand des Wirkstoffs. Einige Substanzen sind in flüssiger Form vergleichsweise unkritisch, können jedoch nach einer Gefriertrocknung hochaktive Stäube bilden. Diese Partikel verbreiten sich häufig leichter als Aerosole aus flüssigen Produkten und erfordern entsprechend angepasste Containment-Konzepte.
Die erforderlichen Schutzmaßnahmen werden deshalb anhand spezifischer Wirkstoffklassifizierungen definiert – in der Regel über den OEL- oder OEB-Wert.
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Der OEL-Wert (Occupational Exposure Limit) beschreibt die maximal zulässige Wirkstoffkonzentration, der ein Mitarbeiter ausgesetzt sein darf, ohne gesundheitliche Schäden zu riskieren. Dieser Grenzwert kann sich entweder auf eine maximale Konzentration in der Luft oder auf eine kumulierte Exposition während einer Arbeitsschicht beziehen.
Sind solche Grenzwerte noch nicht bekannt – etwa in frühen Entwicklungsphasen oder bei personalisierten Therapien – wird häufig eine Einordnung über sogenannte OEB-Klassen vorgenommen. Diese „Occupational Exposure Bands“ beschreiben die Toxizität eines Wirkstoffs typischerweise auf einer Skala von 1 bis 5 oder 1 bis 6. Höhere Klassen stehen für ein erhöhtes Risiko und erfordern entsprechend strengere Containment-Maßnahmen.
Die Klassifizierung bildet damit die Grundlage für die technische Auslegung der gesamten Anlage – vom Isolator über die Abfülllinie bis zur Gefriertrocknung.
Systemintegration bietet Sicherheit
Ein zentrales Prinzip bei HPAPI-Anlagen ist die vollständige Integration aller Prozesse. Fill-and-Finish-Systeme, Isolatoren und Gefriertrockner müssen als zusammenhängendes Gesamtsystem entwickelt werden.
Der Grund: In der Verarbeitungskette dürfen zu keinem Zeitpunkt Lücken im Containment entstehen. Änderungen an einzelnen Anlagenkomponenten können unmittelbare Auswirkungen auf andere Bereiche haben. Wird beispielsweise ein Isolator modifiziert, kann dies das Design der Füllmaschine oder der Beladeeinheit eines Gefriertrockners beeinflussen.
Darüber hinaus greifen viele sicherheitsrelevante Funktionen über mehrere Gewerke hinweg. Ein Beispiel ist das Washdown-System, das sowohl Transportbereiche der Abfüllmaschine als auch Komponenten des Isolators mit WFI reinigt, um Wirkstoffpartikel zu entfernen.
Simulationen für das Anlagendesign
Um die komplexen Wechselwirkungen innerhalb einer HPAPI-Anlage besser zu verstehen, kommen zunehmend Simulationen zum Einsatz. Diese betreffen insbesondere drei Bereiche: Luftströmungen im Isolator, Bio-Dekontaminationsprozesse sowie Washdown-Systeme.
Strömungssimulationen ermöglichen es, den Laminar Flow gemäß GMP-Anforderungen optimal zu gestalten. Einbauten und Maschinenkomponenten werden dabei bereits in der digitalen Modellierung berücksichtigt. Auf diese Weise lassen sich potenzielle Störkonturen identifizieren und kritische Bereiche frühzeitig optimieren.
Auch Aerosole, die beim Dosieren entstehen können, lassen sich durch Simulationen reduzieren. Dazu werden beispielsweise Füllnadeldesign, Füllparameter und Luftströmungen analysiert. Gleichzeitig können die optimale Platzierung von H2O2-Düsen für Dekontaminationsprozesse oder mögliche „Blackspots“ im Washdown bereits vor der Fertigung erkannt werden.
Schutzmechanismus Druckkaskaden
Ein zentrales Element des Containment-Konzepts in HPAPI-Anlagen sind Druckkaskaden. Über gezielt definierte Druckzonen wird verhindert, dass Wirkstoffpartikel unkontrolliert aus sensiblen Prozessbereichen austreten. Die verschiedenen Anlagensegmente sind häufig über sogenannte „Mouseholes“ miteinander verbunden. Dadurch können Luftströmungen gezielt gesteuert werden. Aerosole aus dem Füllbereich bleiben so zunächst im isolierten Prozessraum, während mögliche Partikel in nachgelagerten Zonen kontrolliert in Richtung Außenwaschmaschine geführt werden.
Diese abgestimmten Druckverhältnisse schützen nicht nur das Bedienpersonal, sondern auch das aseptische Produkt vor Kontamination aus dem Reinraum.
Schnittstellen und Sicherheit
Mit steigender Anlagenkomplexität nimmt auch die Zahl der Schnittstellen zu – mechanisch, elektronisch und softwareseitig. Besonders bei HPAPI-Anlagen ist deren Abstimmung entscheidend, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.
Neben der Prozessintegration spielen auch Havariekonzepte eine wichtige Rolle. Diese definieren beispielsweise, wie eine Anlage auf Not-Aus-Situationen oder unerwartete Prozessabweichungen reagiert. Ventilstellungen, Druckverhältnisse oder Maschinenstillstände müssen dabei exakt aufeinander abgestimmt sein. Solche Szenarien werden häufig in HAZOP-Studien analysiert, um potenzielle Risiken frühzeitig zu identifizieren und geeignete Maßnahmen festzulegen.
Integrierte Tests vor Auslieferung
Ein weiterer wichtiger Baustein bei komplexen HPAPI-Projekten ist die umfassende Vorabprüfung der Anlage. Beim sogenannten integrated Factory Acceptance Test (iFAT) wird das komplette System bereits beim Anlagenhersteller aufgebaut, getestet und qualifiziert. Dabei werden Isolatoren, Abfüllsysteme und – sofern vorhanden – Gefriertrockner gemeinsam in Betrieb genommen. Neben funktionalen Tests gehören beispielsweise auch Dichtigkeitsprüfungen zum Programm. Bei hochaktiven Wirkstoffen können Leckraten von nur einem Prozent gefordert sein, um höchste Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.
Durch diese umfassenden Tests wird ein Großteil der Qualifizierungsarbeit bereits vor der Installation beim Betreiber durchgeführt. Nach der Aufstellung im Reinraum müssen dann nur noch jene Schnittstellen erneut geprüft werden, die für den Transport getrennt wurden.
Weniger Koordinationsaufwand
Für pharmazeutische Unternehmen bringt ein integrierter Projektansatz mehrere Produktionsvorteile. Die Abstimmung zwischen verschiedenen Gewerken entfällt weitgehend, da Planung, Konstruktion und Integration zentral koordiniert werden. Betreiber haben damit einen zentralen Ansprechpartner für Projektmanagement und technische Verantwortung. Darüber hinaus reduziert ein integriertes Anlagenkonzept das Risiko späterer Anpassungen. Werden Systeme beispielsweise erst beim Betreiber miteinander verbunden, zeigt sich häufig erst dann, ob alle Komponenten tatsächlich harmonieren. Eine vollständig getestete Gesamtanlage kann hier entscheidende Vorteile bieten.
Wachsende Bedeutung von HPAPIs
Die Nachfrage nach Produktionslösungen für HPAPIs steigt, vor allem in der Onkologie sowie bei hochspezialisierten Therapien. Parallel wächst der Bedarf an Anlagen, die sowohl hohe Containment-Anforderungen erfüllen als auch flexibel unterschiedliche Produkte verarbeiten können.
Damit rückt die integrale Planung komplexer Produktionssysteme zunehmend in den Fokus. Denn gerade bei hochaktiven Wirkstoffen entscheidet ein durchgängiges Anlagenkonzept über Sicherheit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Produktion.
Director of Business Development bei Optima Pharma
Director Product Management bei Optima Pharma
Director Sales Turnkey bei Optima Pharma
Director Sales bei Optima Pharma Containment
Interpack: Optima-Neuheiten
Im Rahmen der Interpack-Pressekonferenz, die bei der Optima Packaging Group stattfand, präsentierten Dr. Stefan König, CEO der Optima Packaging Group, und Dr. Johannes-Thomas Grobe, CEO Optima Pharma, die Neuheiten zur Interpack. Besucher der Messe können sich auf einen bunten Blumenstrauß an Innovationen freuen. Neben einer Turnkey-Abfülllösung mit Isolator für die Pharma- und Biotech-Industrie präsentiert Optima Pharma mit Lyo-Scale auch seine scalierbare Gefriertrocknungslösung für die Entwicklung von Rezeptparametern in kleinem Maßstab zur passgenauen Skalierung auf größere Anlagen. Aber nicht nur ganze Anlagen sind auf der Messe zu sehen: So zeigt das Unternehmen auch pfiffige Detaillösungen wie das automatisierte, vollintegrierte Reinraum-Monitoring und die lineare Stopfenzuführung. Darüber hinaus sind eine Reihe von smarten Lösungen auf der Messe: Der KI-Assistent ist ein digitaler Experte für das Troubleshooting. Mit dem digitalen Zwilling lassen sich Bewegungen und Prozesse in Echtzeit testen. Highlight ist das in die Fensterscheibe des Isolators integrierte OLED-Display, das zur Maschinensteuerung und zur Kommunikation mit dem KI-Assistenten benutzt werden kann.
Für den Kosmetik-Bereich zeigt Optima darüber hinaus die MLS und erstmals die größere Schwester für mehr Leistung, die SLS. Ebenfalls live auf der Interpack: die Herstellung faserbasierter Verpackungen, die auf den Optima-Maschinen mittlerweile kostenneutral produziert werden können. (br)
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