Kompakte Maße, komplette Steckbarkeit der Anschlusstechnik, maximale Standardisierung, hohe Energieeffizienz und der lüfterlose Betrieb sind allein fünf Vorteile, die für den Einsatz von Movigear im Materialfluss sprechen. Bei B. Braun kommt das mechatronische Antriebssystem entlang der kompletten Förderstrecke zum Einsatz – auch im Reinraum – und das im Stammhaus in Melsungen genauso wie in anderen Produktionswerken auf der Welt.
Die Braunüle hat es geschafft. Sie zählte
zu den Deonymen, also generischen Markennamen, die eine ganze Produktgattung beschreiben. Entwickelt hat sie das Medizintechnik- und Pharmaunternehmen B. Braun aus Nordhessen in den 1950er-Jahren. Die Braunüle wurde schnell zu einem medizinischen Kassenschlager, weil sie für den Patienten deutlich angenehmer war, als die bis dato starren Kanülen aus Metall. Parallel dazu vollzog B. Braun auch den Wechsel von der zerbrechlichen Glasflasche zum Infusionssystem aus flexiblem Kunststoff.
Hergestellt werden die Infusionslösungen im Produktionsbereich Life. Hinter diesem Namen verbirgt sich die erste vollautomatische Fabrik für Injektionslösungen in Europa. Die „Leading Infusion Factory Europe“ steht im Schwalm-Eder-Kreis. Melsungen in Nordhessen ist der Stammsitz von B. Braun – und hier produziert das Pharmaunternehmen an zwei Standorten Infusionslösungen. Die Fertigungstiefe reicht von der Herstellung der sogenannten Standbeutel mit Extrudern und Blasanlagen über die Produktion des destillierten Wassers bis hin zum eigentlichen Ansatz der Infusionslösungen. Sind die Standbeutel gefüllt und verschlossen, werden die Einheiten final sterilisiert, etikettiert und verpackt. Die PE-Flaschen in einem Zug zu extrudieren, aufzublasen und zu füllen, ist aus dem Blick der sterilen Fertigung sehr gut, produktionstechnisch aber auch ein sehr aufwendiges Verfahren. Im Grunde genommen existiert kein intralogistisches Zwischenlager zwischen dem PE-Granulat und der verkaufsfertigen Verpackungseinheit. Zudem sind auch noch unterschiedliche Herstellungsströme synchron zusammenzuführen – etwa die Verpackungsherstellung mit der Abfüllung.
Füllmaschine zu 100 % auslasten
Die Abfüllung ist es auch, die bei B. Braun den Ton angibt. „Die Füllmaschine muss durchlaufen. Deshalb brauchen wir in der Produktion Zuführungs- und Abführungspuffer“, erklärt Ralf Köhler, verantwortlich für Automatisierung im Vertrieb der Gronemeyer Maschinenfabrik GmbH & Co. Der Fördersysteme-Lieferant aus Höxter zählt zu den bewährten Partnern von B. Braun, wenn es um Fragen des Materialflusses geht. Gronemeyer zählt ebenfalls seit jeher zu den Systempartnern von SEW. „Wir waren von Beginn an in die Entwicklung des Movigear eingebunden.“
Das Materialflusssystem bei B. Braun gehört zu den typischen Applikationen, bei denen das mechatronische System Movigear seine Vorteile als Antrieb für horizontale und ansteigende Fahrbewegungen voll ausspielen kann. Im Vergleich zu Standardgetriebemotoren liefert Movigear durch den integrierten Permanentmagnetmotor ein deutlich höheres Überlastverhalten bis zum 3,5-fachen des Nennmomentes. Diese Kraft braucht man in der Fördertechnik zum Starten. Wenn die Last erst in Bewegung ist, dann ist weniger Energie notwendig, weil nur noch die Gleitreibung zu überwinden ist. Gronemeyer hat im Vergleich zu herkömmlichen frequenzgesteuerten Asynchron-Getriebemotoren im Praxiseinsatz Energieeinsparungen von 66 % gemessen.




