Der Einsatz der Blockchain-Technologie zur Überwachung pharmazeutischer Lieferketten wird derzeit lebhaft diskutiert. Kern der Debatte ist dabei weniger die Frage, ob die Blockchain kommt (sie kommt), als vielmehr die grassierende Unklarheit über ihre Anwendung in der Praxis.
Patientinnen und Patienten sind dankbar, wenn sie auf der Arzneipackung den Holo-Tag sehen, der ihnen Echtheit, Unverfälschtheit und Wirksamkeit dessen attestiert, was sie gleich schlucken werden. In Zeiten der Pillenpiraterie und der bis zur Unübersichtlichkeit verzweigten Liefernetzwerke schützt so ein Gütesiegel das Vertrauen beim Endkunden, ohne das kein Geschäft leben kann. Das Vertrauen zwischen den einzelnen Wertschöpfungs- und vor allem Zulieferstufen jedoch ist bislang noch nicht mit derselben Güte geschützt.
Gefahr an den Schnittstellen
Eines der größten Risiken bei der Pharma-wertschöpfung ist die bedrohte Nachvollziehbarkeit zwischen den einzelnen Wertschöpfungsstufen: Papier respektive herkömmlich digital übermittelte Daten sind geduldig. Wenn Lieferant X seiner Charge Y die Spezifikation Z attestiert, dann kann der in der Produktion nachfolgende Zulieferer diese Daten auch einmal kreativ „bearbeiten“ (was durchaus mal vorkommt), um seine eigene Lieferung nicht zu gefährden. Genau diese nachträgliche Veränderung einmal eingegebener Daten ist in einer Blockchain nicht mehr möglich (oder nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand). Vereinfacht ausgedrückt: Die Blockchain ersetzt die Papiere bei der Übergabe von Vorprodukten, Komponenten und Lieferungen durch fälschungssichere digitale „Papiere“. Proof of Origin (Herkunftsnachweis), Zustand und Qualität aller mit Blockchain gesicherten Lieferungen sind jenseits jedes vernünftigen Zweifels mit fast absoluter Rückverfolgbarkeit und Fälschungsschutz gesichert. Diese überragenden Vorteile erklären die vielen Pilotprojekte.
Die Piloten fliegen schon
Die verbreitete Unklarheit über Funktionsweise und Anwendung der Blockchain-Technologie ist in der Pharmapraxis recht ungleich verteilt. Relativ große Klarheit herrscht bei jenen Unternehmen, die bereits Pilotprojekte gestartet haben – oder die diese Piloten in Internet und Medien aufmerksam verfolgen. Viele Unternehmen gehen mit Informationen über ihre Projekte nicht sonderlich restriktiv um. So verkünden zum Beispiel Pfizer und Genentech, die zusammen mit anderen Pharmaunternehmen, mit Technologie- und IT-Firmen, mit Supply-Chain-Beratern und mit Logistikdienstleistern eine Kooperation gestartet haben, dass ihre Blockchain künftig nichts weniger als „die Verwaltung der pharmazeutischen Lieferkette revolutionieren soll“. Wenn die Technologie so toll ist, warum haben sie dann nicht längst alle?




