Pharmazeutische Pulver bilden die Grundlage für zahlreiche Antibiotika, die für eine umfassende medizinische Versorgung unerlässlich sind. Doch die Margen sind niedrig und die Produktionsbedingungen komplex. Das hat zu einer Verlagerung der Produktion in kostengünstigere Regionen geführt. Um die Produktion in Europa wieder anzukurbeln, sind neben staatlichen Programmen, wie sie zum Beispiel in Österreich existieren, leistungsfähige Füll- und Verschließmaschinen notwendig.
Patienten erhalten Antibiotika häufig in Form von Infusionen, die auf Pulvern basieren. Erst kurz vor der Verabreichung entsteht durch Zugabe von reinstem Wasser die Infusionsflüssigkeit. Gerade die Pulverform macht die Herstellung jedoch sehr komplex: Beim Abfüllprozess hantieren die Bediener mit Pulvern, die leicht stauben. Um sicherzustellen, dass es nicht zu Kreuzkontaminationen kommt, ist auf eine strikte Trennung der unterschiedlichen Wirkstoffe und Chargen zu achten. Zudem dürfen die Bediener keinesfalls mit den teils toxischen Substanzen in Berührung kommen.
Vor allem bei der Abfüllung von Penicillin sind die Vorgaben besonders streng: Laut US-amerikanischer FDA etwa sind Hersteller dazu verpflichtet, Anlagen und Equipment, in denen das Antibiotikum abgefüllt wird, zu isolieren, auf eine separate Luftzufuhr und -filtration zu achten und regelmäßige Tests auf Rückstände des Medikaments durchzuführen. Oft sind sogar getrennte Fabrikhallen nötig, um die Einhaltung dieser Vorgaben zu gewährleisten. In diesem Fall müssen die Hersteller separate Büroräume und Kantinen für die verschiedenen Schichten schaffen, um die Sicherheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten.
Ungleiche Produktionsbedingungen
Für viele Antibiotikahersteller waren und sind solche Investitionskosten nicht zu stemmen. So setzte laut der Studie zur Versorgungssicherheit mit Antibiotika von Pro Generika (durchgeführt von Roland Berger 2018) bereits vor Jahrzehnten eine Abwanderung globaler Produktionskapazitäten nach Asien ein. Zeitgleich wurde die Herstellung von Generika in der westlichen Welt kostenintensiver, etwa weil die Audits immer anspruchsvoller wurden. Auslaufende Patente westlicher Hersteller erhöhten zudem die Nachfrage am Markt für ökonomisch tragbare Produktionskapazitäten. Viele Hersteller fanden diese in China und Indien.
Die Coronapandemie zeigt erneut, dass solch regionale Abhängigkeiten problematisch sind: Bei Lieferengpässen müssen Ärzte häufiger statt spezifisch wirkende Arzneimittel etwa Breitbandantibiotika einsetzen, die die Wahrscheinlichkeit einer Resistenzbildung erhöhen. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern und eine stabilere Verfügbarkeit auf dem Markt zu gewährleisten, fordern Antibiotikahersteller, Ärzte- und Apothekerverbände und nicht zuletzt die Politik, die Produktionskapazitäten wieder globaler zu verteilen. Wie das gelingen kann, zeigt der Blick nach Österreich: Dort unterstützt die Regierung den einzigen Standort in Westeuropa, der Antibiotika sowohl herstellt als auch abfüllt, mit weitreichenden Investitionen.




