Herr Heseding, welcher Punkt ist aus Ihrer Sicht der wichtigste bei der Auswahl einer Abfüll- und Verschließmaschine?
Heseding: Für die Suche nach der richtigen Anlage steht zunächst das Produkt im Vordergrund. Unternehmen sollten hier eine Reihe von Aspekten berücksichtigen. Das beginnt bei der Vielzahl der Medien. Soll nur ein Produkt abgefüllt werden oder unterschiedliche Artikel? Wie ist die Beschaffenheit? Handelt es sich um eine Flüssigkeit oder beispielsweise um eine Paste? Welche Stückzahlen werden produziert und soll das System mit steigender Nachfrage wachsen? All diese Überlegungen entscheiden über die Auswahl der Maschine und des Verfahrens. Bis zu Stückzahlen von 600 Behältern pro Stunde oder wenn neue Produkte zunächst einmal auf dem Markt getestet werden sollen, macht es zum Beispiel Sinn, eine halbautomatische Variante zu wählen. Darüber bietet es sich eher an, auf ein vollautomatisches Reihensystem zu setzen. Bei höheren Leistungen von 6000 bis zu mehr als 20 000 Flaschen pro Stunde eignen sich dagegen besser Rundläufer.
Welche Rolle spielen Verpackungsart und Verschluss?
Heseding: Die Wahl von Gebinde und Verschluss haben direkten Einfluss auf die jeweilige Maschine. Bei manchen Herstellern kann es bereits einen großen Unterschied machen, ob es sich um Füllvolumen von 10 ml oder von 1 l handelt, da mit abnehmenden Füllvolumina auch die Verschlüsse in ihrer Größe sehr klein werden und somit schwieriger zu handhaben sind. Auch gilt es zu klären, ob das Produkt in mehreren Größe angeboten wird. Das Material der Verpackung – ob Kunststoff, Glas, Keramik oder Metall – kann ebenfalls eine Rolle spielen. Besonders relevant ist aber der Verschluss, da dieser über das eingesetzte Verfahren entscheidet. Ein professioneller Anbieter ermöglicht unterschiedlichste Verschließverfahren. Hier sollten sich Interessenten zu Beginn eingehend informieren.
Was gilt es darüber hinaus noch zu beachten?
Heseding: Ein absolutes Muss bei der Planung von Abfüllmaschinen ist die Auswahl des am besten geeigneten Füllverfahrens, beispielsweise höhen-, volumen- oder gewichtsgenaues Füllen. Produkte in Glasflaschen werden zum Beispiel höhengenau abgefüllt, da die Wandungsstärke bei Glasflaschen tolerieren kann und die daraus resultierenden unterschiedlichen Füllhöhen den Kunden abschrecken. Hier wird entweder mit Niedervakuum für niederviskose oder mit Hochvakuum für nieder- bis mittelviskose Flüssigkeiten gearbeitet. Beim volumengenauen Verfahren sollten Interessenten unter anderem darauf achten, dass sich das gewünschte Füllvolumen ohne großen Aufwand verändern lässt, beim gewichtsgenauen Füllen dagegen, dass die integrierte Waage eichfähig ist und dass Anwender das Füllgewicht einfach anpassen können. Zudem sollte man sich nach der Dosiergenauigkeit informieren, die in jedem Fall innerhalb der Toleranz der Fertigpackungsverordnung liegen sollte.




