In der pharmazeutischen Feststoffproduktion nimmt die Wirbelschichttechnologie eine zentrale Stellung ein. Ob Granulierung, Trocknung oder Coating – ein und dieselbe Anlagenbasis kann für mehrere Prozessschritte genutzt werden, was die Technologie sowohl wirtschaftlich als auch prozesstechnisch attraktiv macht. Gleichzeitig stellen GMP-Anforderungen, Produktsicherheit und reproduzierbare Ergebnisse hohe Anforderungen an Anlagendesign, Prozessführung und Qualifizierung.
Das Grundprinzip ist seit Jahrzehnten bekannt und physikalisch gut verstanden: Ein aufwärtsströmender Luftstrom versetzt Feststoffpartikel in einen schwebenden, fluidisierten Zustand – die sogenannte Wirbelschicht. In diesem Zustand haben die Partikel intensiven Kontakt mit dem Prozessgas, was einen effizienten Wärme- und Stoffaustausch ermöglicht. Für pharmazeutische Anwendungen wird dieses Grundprinzip in mehrere Prozesskonfigurationen überführt, die jeweils spezifische Anforderungen an Anlagentechnik und Prozessführung stellen.
Physikalische Grundlagen der Fluidisierung
Der Übergang von einem ruhenden Schüttgut in eine Wirbelschicht wird durch die Lockerungsgeschwindigkeit des Prozessgases definiert. Unterhalb dieser Geschwindigkeit durchströmt das Gas die Partikelschicht, ohne sie zu bewegen. Wird die Lockerungsgeschwindigkeit überschritten, beginnen die Partikel zu fluidisieren. Der für pharmazeutische Prozesse genutzte Betriebsbereich liegt zwischen Lockerungs- und Austraggeschwindigkeit, in dem eine stabile, homogene Wirbelschicht ausgebildet wird.
Maßgebliche Parameter sind dabei Partikelgröße, Partikeldichte und Partikelform sowie die Dichte und Viskosität des Prozessgases. Diese Zusammenhänge werden durch Klassifikationen wie die Geldart-Klassifizierung beschrieben, die Pulver in verschiedene Fließverhaltengruppen einteilt. Pharmazeutische Wirkstoffe und Hilfsstoffe fallen häufig in die Gruppen A und B, die sich prinzipiell gut fluidisieren lassen, jedoch unterschiedliche Betriebspunkte erfordern.
Prozessvarianten: Trocknung, Granulierung und Coating
Die einfachste Anwendung der Wirbelschicht ist die Trocknung. Feuchte Granulate oder Pulver werden fluidisiert und durch den temperierten Luftstrom getrocknet. Der hohe Wärme- und Massentransfer ermöglicht kurze Trocknungszeiten bei schonender Behandlung thermolabiler Substanzen, da die Partikeltemperatur deutlich unter der Zulufttemperatur bleibt.
Bei der Wirbelschichtgranulierung wird zusätzlich eine Granulierflüssigkeit – in der Regel eine Bindemittellösung – über Düsen in die fluidisierte Schicht eingebracht. Dabei entstehen durch Agglomeration der Primärpartikel Granulate mit definierten Eigenschaften wie Fließfähigkeit, Kompressibilität und Schüttdichte. Je nach Düsenanordnung unterscheidet man die Top-Spray-, Bottom-Spray- und Tangential-Spray-Konfiguration, die sich in Tropfengrößenverteilung, Eindringtiefe der Flüssigkeit und resultierender Granulatstruktur unterscheiden.




