Die global agierende Pharmaindustrie ist auf stabile Rahmenbedingungen und offene Weltmärkte angewiesen. Für die deutsche Pharmabranche mit ihren rund 130 000 Beschäftigten sind die USA das wichtigste Exportland. Im vergangenen Jahr gingen Waren im Wert von 27 Mrd. Euro und damit rund 25 % der deutschen Pharmaexporte in die Vereinigten Staaten. Damit ist die deutsche Pharmabranche wesentlich stärker vom US-Markt abhängig als etwa der Maschinenbau und die Chemieindustrie.
„Die angekündigten Importzölle von 100 Prozent hätten gravierende Auswirkungen auf die internationalen Lieferketten, verteuerten die Produktion von Arzneimitteln und gefährdeten die Versorgung von Patientinnen und Patienten – sowohl in den USA als auch in Europa. Wir sehen schon jetzt, dass Investitionen am Standort eingefroren werden. Das ist das letzte, was der Wirtschaftsstandort Deutschland jetzt braucht.“, sagt vfa-Präsident Han Steutel. „Die neuesten Ankündigungen stellen die bisherigen Handelsabsprachen zwischen Europa und den USA infrage.“ Steutel betont die Bedeutung eines europäischen Binnenmarktes: „In den USA kann man auf einen Schlag 300 Millionen Menschen versorgen. In Europa sind es 450 Millionen Menschen – allerdings verteilt auf 27 Märkte. Wir nutzen unser Potenzial als Binnenmarkt nicht aus und werden so zum Spielball zwischen den großen Wirtschaftsräumen. Ein souveränes, starkes Europa wäre ein notwendiges Gegengewicht zur Wirtschaftskraft der USA.“
(Quelle: vfa)
Drohen noch mehr Arzneiengpässe?
US-Zölle auf Arzneien schüren Sorgen um die Gesundheitsversorgung hierzulande, denn Deutschland hat 2024 Pharmazeutika im Wert von 12,1 Mrd. Euro aus den USA importiert, knapp 17 % der Brancheneinfuhren, und zudem gut 12 % der Vorprodukte, darunter sterile Schläuche für die Arzneiproduktion. Bei einem Handelskrieg könnten sich Vorprodukte stark verteuern oder zeitweise ganz fehlen, warnte der Pharmaverband vfa bereits vor Monaten. Zugleich ist der Markt wichtig für Innovation, Investitionen und Zulassungen – die amerikanische Zulassungsbehörde FDA gilt als globaler Taktgeber. Handelsmaßnahmen wie Zölle oder Importbeschränkungen könnten europäische Hersteller empfindlich treffen und bestehende Lieferketten stören.
Die Apothekervereinigung ABDA fürchtet, dass sich US-Zölle negativ auf die Arzneiversorgung in Deutschland auswirken könnten. Wenn der wichtige Pharmamarkt USA durch Zölle behindert werde, „kann das dazu führen, dass die Produktion in Deutschland durch mangelnde Wirtschaftlichkeit eingeschränkt wird“, sagt Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Die Lieferketten seien schon seit Jahren instabil. In den vergangenen Jahren waren immer wieder Medikamente wie Blutdrucksenker, Fiebersäfte für Kinder, Magensäureblocker und Schmerzmittel vorübergehend nicht verfügbar. Viele Patienten in Deutschland mussten auf Ersatzprodukte ausweichen.




