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    Superschnelle DSC
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    Automation & MSR

    Superschnelle DSC

    Reichen die Heiz- und Kühlraten konventioneller DSCs zur Bestimmung der Glasumwandlungstemperatur von APIs nicht aus, empfiehlt sich der Einsatz der Flash DSC.
    Veröffentlicht
    04. März 2020
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Automation & MSR

    Kristalline, pharmazeutische Wirkstoffe zersetzen sich häufig unmittelbar vor oder während des Schmelzens. Soll für derartige Substanzen die Glasumwandlungstem-peratur bestimmt werden, muss das Material möglichst rasch geschmolzen und wieder gekühlt werde. In vielen Fällen reichen die Heiz- und Kühlraten von konventionellen dynamischen Differenzkalorimetern dafür nicht aus. Ein Flash-DSC bietet die notwendige Schnelligkeit, wie das Beispiel von Prednisolon illustriert.

    Um eine möglichst hohe Bioverfügbarkeit zu erreichen, werden pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) häufig in amorphem
    Zustand bevorzugt. Amorphe APIs sind aber nur im Glaszustand, d. h. unterhalb der Glasumwandlungstemperatur (Tg) stabil. Oberhalb Tg können sie kristallisieren, was die Bioverfügbarkeit beträchtlich verändern kann.

    APIs werden oft aus Lösungen kristallisiert, um eine möglichst hohe Reinheit sicherzustellen. Die Amorphisierung des Wirkstoffs erfolgt anschließend beispielsweise durch Mahlen der Kristalle, wobei die Temperatur des Mahlguts während des Mahlens Tg nicht übersteigen darf. Die Kenntnis der Glasübergangstemperatur von amorphen APIs ist deshalb sowohl aus Sicht der Lagerung wie der Verfahrenstechnik bedeutsam.

    Vorteile der Flash-DSC

    Um die Glasumwandlungstemperatur eines (kristallinen) Ausgangsmaterials zu bestimmen, muss das Material so rasch geschmolzen und anschließend wieder gekühlt werden, dass keine Zersetzung und auch keine nennenswerte Kristallisation stattfindet. In vielen Fällen reichen die Heiz- und Kühlraten konventioneller DSCs nicht aus. In diesen Fällen empfiehlt sich das Flash-DSC von Mettler Toledo (Bild 1). Mit Heiz- und Kühlraten von maximal 40 000 K/s (Heizen) bzw. 4000 K/s (Kühlen) kann eine Substanz innerhalb von wenigen Millisekunden um mehrere hundert Grad aufgeheizt und wieder abgekühlt werden.

    In diesen kurzen Zeitintervallen kann praktisch keine Zersetzung stattfinden. Somit ist es möglich, die Glasübergangstemperatur für kristalline Substanzen zu bestimmen, die sich in einem konventionellen DSC während des vergleichsweise langsamen Aufschmelzens längst zersetzt hätten.

    Einsatzbeispiel Prednisolon

    Prednisolon ist ein synthetisches Kortikoid, das unter anderem zur Bekämpfung von Entzündungen verwendet wird. Das Glucocorticoid kommt als Anhydrat in zwei stabilen polymorphen Formen und als Sesqui-hydrat vor. Die erwartete fest-fest-Umwandlung zwischen den beiden stabilen Anhydraten sollte zwischen etwa 120 und 130 °C auftreten, wurde aber bisher nicht beobachtet. Die bei Raumtemperatur stabile Form I schmilzt zwischen 236,5 und 239 °C. Die Hochtemperaturform (Form II) schmilzt zwischen 224 und 228 °C. Die Schmelze ist thermisch nicht stabil und zersetzt sich.

    Pharma

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    Kommerziell erhältlich ist die bei Raumtemperatur stabile Form I.

    Für die Experimente wurde Prednisolon Form I von Sigma Aldrich verwendet (P6004, Reinheit 99 %). Die Messungen wurden mit dem DSC 1 und dem Flash-
    DSC 1 von Mettler Toledo durchgeführt. Für die Probenvorbereitung im Flash-DSC wurde ein wenig Prednisolon auf einer Glasscheibe verteilt.

    Unter dem Binokular des Flash-DSC wurden anschließend geeignete kleine Kristalle identifiziert und auf dem Flash-DSC-Sensor platziert. Im Flash-DSC wurde mit Kühl- und Heizraten von 100 und 1000 K/s gearbeitet. Die konventionellen DSC-Messungen erfolgten mit Heizraten von 0,5, 2 und 10 K/min.

    Ergebnisse

    In Bild 2 ist das erste Aufheizen einer Prednisolon-Probe (Form I) in einem DSC mit verschiedenen Heizraten (0,5, 2 und 10 K/min) dargestellt. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wurden die Messkurven auf die Probenmasse und die Heizrate normiert. Man erkennt, dass die Temperatur der Schmelzpeaks stark von der verwendeten Heizrate abhängig ist. Außerdem ist unmittelbar nach dem endothermen Schmelzpeak ein exothermer Zersetzungspeak erkennbar.

    Schließlich unterscheiden sich auch die
    Peakflächen der verschiedenen Heizraten
    beträchtlich. Diese Befunde lassen sich durch die Zersetzung von Prednisolon während des Aufheizens erklären. Dabei wirken die Zersetzungsprodukte als Verunreinigungen, was zu einer Reduktion der Schmelztemperatur führt. Je mehr Zeit die Probe für die Zersetzung hat (d. h. je kleiner die Heizrate ist), desto größer ist die Verunreinigung und desto tiefer die Schmelztemperatur. Die scheinbare Abhängigkeit der Schmelztemperatur von der Heizrate ist somit eine Folge der Zersetzung während des Aufheizens.

    Wird Prednisolon (Form I) im Flash-DSC mit 1000 K/s aufgeheizt, ergibt sich die in Bild 3 rot dargestellte Kurve. Man erkennt einen scharfen Schmelzpeak bei 257,5 °C. Hingegen findet man keinerlei Anzeichen einer Zersetzung. Wird die Probe aus der Schmelze mit 1000 K/s abgekühlt und
    anschließend mit 100 K/s aufgeheizt (grüne Kurve) erkennt man eine Glasumwandlung bei 118 °C.

    Anschließend kristallisiert das Material. Der Schmelzprozess erfolgt innerhalb der Mess-unsicherheit bei der gleichen Temperatur wie während des ersten Aufheizens (257,2 °C). Bild 4 zeigt die Prednisolon-Probe auf dem Flash-DSC-Sensor vor und nach den beiden Heizläufen. Die Bilder
    illustrieren, dass keine Zersetzung stattgefunden hat (die Änderung der Probenform ist auf das Aufschmelzen und Rekristallisieren der Probe zurückzuführen). Die mittels Flash-DSC gefundene Schmelztemperatur entspricht somit der Schmelztemperatur von nicht durch Zersetzungsprodukte verunreinigtem Prednisolon (Form I).

    Resümee

    Dank der hohen Heizraten, die mittels Flash-DSC erreicht werden können, kann das Schmelzen und Zersetzen von Substanzen, deren Zersetzung mit oder unmittelbar vor dem Schmelzen beginnt, voneinander getrennt werden. Nach raschem Kühlen der nicht verunreinigten Schmelze lässt sich
    somit die Glasumwandlungstemperatur derartiger Substanzen bestimmen.

    Im Fall von Prednisolon wurde so bei einer Heizrate von 100 K/s eine Glasumwandlungstemperatur von 118 °C gemessen. Prednisolon kann also problemlos bei Raumtemperatur durch Mahlen amorphisiert werden. Allerdings darf die Temperatur während des Mahlens nicht über etwa 112 °C (Onset-Tg) steigen. Auch konnte die Schmelztemperatur der bei Raumtemperatur stabilen
    Form 1 von Prednisolon bestimmt werden.

    Mettler-Toledo GmbH, Gießen

    Halle A2, Stand 101

    Autoren:

    Yohann Corvis

    Université Paris Descartes

    Andreas Wurm

    Universität Rostock

    Christoph Schick

    Universität Rostock

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