Mit der fortschreitenden digitalen Transformation und internationalen Expansion geraten die IT- und OT-Landschaften von Pharmaunternehmen zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen. Klassischer Perimeterschutz reicht längst nicht mehr aus. Wie Managed Detection and Response (MDR) als Schutzschirm wirkt, zeigt das Beispiel des Pharmaherstellers Schwabe.
Produktionssysteme in der Pharmaindustrie sind längst nicht mehr abgeschottet. Operational Technology (OT) – also Steuerungssysteme wie Scada oder ICS, die Maschinen, Anlagen und Fertigungsprozesse regeln – ist eng mit klassischer IT verknüpft. Diese Konvergenz bringt Effizienz, schafft aber zugleich neue Risiken: Angreifer können heute nicht nur in Büro- oder Cloud-Systeme eindringen, sondern auch Produktionsanlagen stören, manipulieren oder stilllegen. Damit steht die Geschäftskontinuität ebenso auf dem Spiel wie die Sicherheit sensibler Daten.
Die Angriffe sind vielseitig: Hochspezialisierte Gruppen wie Lazarus oder APT33 setzen auf Malware, Phishing-Kampagnen oder das Ausnutzen von Remote-Zugängen, um in hybride IT-/OT-Umgebungen vorzudringen. Ein typisches Muster: Eine gefälschte Lieferanten-E-Mail mit infiziertem Anhang öffnet das Tor ins Firmennetz. Von dort aus bewegen sich die Angreifer lateral, spähen Zugänge aus und nehmen Produktionsprozesse ins Visier. Schon kleine Manipulationen können große Folgen haben – von der Unterbrechung von Lieferketten über Ausfälle in der Fertigung bis hin zu gezielter Industriesabotage.
Branche unter Druck
Wie stark die Branche unter Druck steht, zeigt der Digital Universe Report (H1/2025) des Cybersecurity-Experten Obrela: Rund 29 % aller Vorfälle entfallen auf verdächtige interne Aktivitäten – darunter missbrauchte Benutzerkonten oder unautorisierte Zugriffe. Weitere 24 % betreffen branchenspezifische Risiken wie Eingriffe in Lieferketten oder Manipulation von Maschinenkonfigurationen. Hinzu kommen 17 % Malware-Angriffe, die vor allem auf alte Infrastrukturen zielen, sowie Bedrohungen durch unsichere Schnittstellen, Reconnaissance und externe Infiltration.
Neue Sicherheitsansätze erforderlich
Diese Bedrohungen prallen auf hybride IT-/OT-Umgebungen, in denen Produktionsanlagen, Cloud-Dienste und Legacy-Systeme eng miteinander verflochten sind. Besonders die Brücken zwischen IT und OT – von Scada-Steuerungen bis zu Remote-Maintenance-Zugängen – sind kritische Einfallstore. Gleichzeitig wächst der regulatorische Druck: Vorgaben wie NIS2, die Kritis-Verordnung oder branchenspezifische Standards wie GxP verlangen von Unternehmen, dass sie ihre Sicherheitsmaßnahmen jederzeit nachweisen und Audits bestehen können.
Operative Herausforderungen stellen eine weitere Herausforderung dar. Cyberangriffe passieren nicht im 9-to-5-Rhythmus, sondern rund um die Uhr. Effektives Monitoring und schnelle Reaktionen sind deshalb unverzichtbar – stoßen aber angesichts von Fachkräftemangel und knappen Ressourcen an Grenzen. Zugleich gilt es, Security Operations über internationale Standorte hinweg einheitlich zu skalieren und zu steuern. Fragmentierte Einzellösungen reichen dafür nicht mehr aus. Gefragt ist eine konsolidierte Sichtweise auf die gesamte Bedrohungslage – von der IT über die Produktionsumgebungen hinweg.




