Wenig im Blick der Öffentlichkeit, aber sehr wichtig bei der Impfstoffproduktion ist der Aufbau einer leistungsfähigen Produktion und Logistik. Innerhalb kürzester Zeit mussten in einem weltweit tätigen Unternehmen sehr große Produktionskapazitäten aufgebaut werden, um schnell viel Impfstoff herstellen zu können. Daher war eine Automatisierung unumgänglich. Innerhalb eines halben Jahres wurde eine völlig neue Roboterzelle entwickelt und prozessstabil zum Laufen gebracht. Die Anlage, die die hohen Anforderungen an die Geschwindigkeit und Präzision erreicht, wurde bereits im Juli 2021 in Betrieb genommen.
Zusammenspiel mehrerer Projektpartner
An der Projektierung der Roboterzelle waren mehrere Projektpartner beteiligt. Ein Prozessschritt sieht vor, dass mit Impfstoff gefüllte Vials, auch als Stechampullen bezeichnet, von einem Förderband mittels Roboter in Schubladen abgelegt und später wieder entnommen werden. Das Unternehmen Goldfuß Engineering entwickelte das Gesamtkonzept, das aus mehreren Rollwagen mit Schubladen, Roboterzellen und Bandanlagen besteht. Simon IBV war verantwortlich für die Entwicklung des optischen 3D-Systems, das es dem Roboter ermöglicht, die Vials eigenständig und beschädigungsfrei zu greifen. Dabei kommt die industrielle Bildverarbeitungssoftware MVTec Halcon zum Einsatz.
Die Rollwagen, die etwa 10 000 Stechampullen fassen, dienen als Puffer- und Transfersystem zwischen Abfüllung, Qualitätskontrolle und Verpackung. Goldfuß aus dem baden-württembergischen Balingen ist auf die Entwicklung und Fertigung robotergestützter Beschickungssysteme für Verpackungsmaschinen und Anwenderlösungen für die Laborautomation spezialisiert. Das Unternehmen wurde von Siegfried Hameln, einem weltweit tätigen Auftrags- und Entwicklungsfertiger von pharmazeutischen Wirkstoffen und Fertigprodukten beauftragt, einen automatisierten Prozess zum Puffern der Vials zu entwickeln. Siegfried Hameln wiederum wurde vom Impfstoffentwickler für die Produktion des Wirkstoffs beauftragt. Für die Vision-Komponente der Roboterzelle wurde die Simon IBV ins Boot geholt. Das Unternehmen aus dem nordbayerischen Bayreuth verfügt über branchenübergreifende Expertise bei optischen Prüf- und Mess-Systemen in 2D und 3D.
Roboter be- und entlädt Rollwagen mit Impfstoff
Für den Schritt des Be- und Entladens der Rollwagen hat die Goldfuß eine neue Roboterzelle entwickelt. Eine solche Automatisierungslösung gab es bislang nicht auf dem Markt. In vergleichbaren Anwendungen werden die Vials nach der Abfüllung manuell in Trays oder Boxen geladen, händisch auf Paletten oder in Kanbanwagen gestapelt und anschließend wieder depalettiert. Dadurch werden in der Regel mehrere Mitarbeiter an nicht wertschöpfende Tätigkeiten gebunden. Der neue, automatisierte Prozess sorgt für eine Beschleunigung, auch weil sich die Mitarbeiter anspruchsvolleren Tätigkeiten widmen können.




