Steigende Flexibilitätsanforderungen durch den Onlinehandel und die Corona-Pandemie könnten der heimischen Pharmaproduktion und damit auch dem Robotereinsatz einen Schub geben. So stellen sich die Hersteller der Roboter den besonderen Erfordernissen, die für die Pharmaproduktion und -verpackung gelten.
Bislang ist die Pharmabranche für die Robotikindustrie eher eine Nischenbranche. Rund 4000 Roboter pro Jahr wurden in den letzten Jahren weltweit in der Pharmaindustrie installiert, berichtet der Weltroboterverband IFR (International Federation of Robotics). Das nimmt sich recht bescheiden aus, verglichen mit den über 100 000 Robotern, die jedes Jahr in der Automotivebranche, aber auch in der Elektronikindustrie installiert werden.
Dennoch erwartet die IFR im Pharmabereich deutlich steigende Roboterinstallationen, da die Corona-Pandemie die Relevanz heimischer Pharmaproduktion aufgezeigt hat. „In der Vergangenheit wurde die Produktion weiter Teile der Pharmaindustrie aus Kostengründen nach Asien ausgelagert. Soll diese wieder in Ländern mit hohen Lohnkosten stattfinden, wird kein Weg an Automation vorbeiführen”, so der Weltroboterverband.
Ein weiterer durch Corona ausgelöster Trend ist der Wunsch, die Versorgungssicherheit sicherzustellen, sagt Guido Haremsa, Regionalvertriebsleiter Roboter bei Fanuc Deutschland: „Daraus erwächst ein steigender Bedarf an Automatisierung bisher manueller Tätigkeiten – besonders end of line etwa bei der Kommissionierung von Produkten. Hier bieten sich je nach Anwendung klassische Industrieroboter oder Cobots wie der neue Leichtbauroboter CRX von Fanuc an, die sowohl Hand in Hand mit den Beschäftigten arbeiten als auch Aufgaben selbstständig erledigen können.
Individuellere Verpackungen
Florian Kohut, Key Account Manager Packaging Industry bei der Robotics Division von Yaskawa Europe, verweist zudem auf den Trend hin zum Onlinehandel: „Speziell bei Food und Pharma gewinnt der E-Commerce an Bedeutung. Das erfordert kleinteiligere und individuellere Verpackungen als bisher – und damit auch flexiblere und kompakte Verpackungsanlagen”, so der Yaskawa-Experte. „Roboterbasierte Lösungen sind hier klar im Vorteil und werden dementsprechend stark nachgefragt.”
Den Trend zu mehr Personalisierung bestätigt Marc Segura. Der Managing Director Consumer Segments & Service Robotics beim Roboterhersteller ABB sagt: „Der größte Treiber für die Automatisierung im Verpackungssegment ist sicher die voranschreitende Personalisierung von Konsumgütern. Besonders im Bereich des E-Commerce sind Kunden mittlerweile daran gewöhnt, auf sie individuell zugeschnittene Produkte, aber auch Verpackungen zu erhalten, die ihren Wünschen exakt entsprechen.“



