Während in den Bereichen Pharma- und Lebensmittelindustrie die Biotechnologie bereits eine lange Tradition hat, entdeckt in den letzten Jahren auch die chemische Industrie diese mildere Form der Produktion für sich – etwa für wertvolle Feinchemikalien, Medikamente oder Kunst-stoffe. Biotechnologisch erzeugte chemische Produkte sind häufig umweltfreundlicher, kostengünstiger und nachhaltiger als solche aus traditionellen Syntheseverfahren.
Das für die sanften, aber effektiven Prozesse benötigte Stückchen Natur können ganze Mikroorganismen oder auch nur Bestandteile aus ihnen sein, je nachdem was der Prozess erfordert. Der Schlüssel zum Erfolg der Weißen Biotechnologie ist nach Expertenmeinung das in den letzten Jahren stetig wachsende Verständnis für die biologischen Katalysatoren. Damit einher geht die Fähigkeit, Naturstoffe und Organismen so weit zu verändern, dass sie sich an die extremen Bedingungen der industriellen Produktion adaptieren lassen. Die neueren Entwicklungen ermöglichen zudem, sie auch in ausreichender Menge herstellen zu können.
Nach verschiedenen Schätzungen wird weltweit ein Umsatz von 55 bis 60 Mrd. Euro mit Produkten der Weißen Biotechnologie erzielt, jedoch ist bei den technischen Möglichkeiten das Ende des Spektrums längst nicht erreicht: So erschließen sich beispielsweise gänzlich neue Anwendungsgebiete durch neue Enzymsysteme. In Hannover werden Systeme vorgestellt, die erst noch Bedürfnisse in der Industrie wecken werden.
Die „Deutsche Plattform Weiße Biotechnologie“ ist ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen und Vereinigungen. Diese arbeiten eng zusammen, um das Potenzial der industriellen Biotechnologie voll auszuschöpfen. Die Konferenz „Deutsche Plattform Weiße Biotechnologie“ im Rahmen der Biotechnica findet am 8. Oktober von 10 bis 17.30 Uhr im Convention Center (CC) auf dem Messegelände in Hannover statt. Unser Messevorbericht zur Biotechnica beginnt auf Seite 44.




