Ob AEP in Deutschland, Eisai in Japan oder Cencora in den USA – es vergeht kaum eine Woche, ohne dass ein Pharma-Unternehmen als Opfer eines Ransomware-Angriffs Schlagzeilen macht.
Viele Ransomware-Kollektive sind Opportunisten: Sie greifen die Unternehmen an, die am verwundbarsten sind. Das berichtet unter anderem auch die britische Cybersicherheitsbehörde. Demnach sind innerhalb der Pharmabranche Großhändler, Distributoren und Anbieter von Spezialsoftware besonders häufig von Angriffen betroffen. Das verleiht Cyberrisiken durch Dritte enorme Brisanz. Laut aktuellen Untersuchungen des Cybersicherheitsunternehmens BlueVoyant erleben beispielsweise 98 % der Pharmaunternehmen im Vereinigten Königreich negative Auswirkungen durch Cybervorfälle bei externen Partnern. So kamen durch das Datenleck bei Cencora Patienteninformationen aus den Datenbanken von elf verschiedenen großen Herstellern in den Umlauf.
Im aktuellen geopolitischen Klima müssen sich Pharmahersteller auch auf politisch motivierte Hacker gefasst machen, die andere Ziele als Profit verfolgen. Das ist zum Beispiel der Fall bei Voltzite, einer Gruppe, die mit den Interessen des chinesischen Staates in Verbindung gebracht wird – und mit Angriffen auf kritische Sektoren wie Pharmaunternehmen.
Cyberattacken der OT-Ebene auf dem Vormarsch
Mit wachsenden internationalen Spannungen nehmen immer mehr politisch motivierte Hackergruppen die OT-Umgebung von Industrieunternehmen ins Visier – also die Infrastruktur, die physische Prozesse, Geräte und ganze Produktionsumgebungen stürzt. Wie unter anderem das Online-Magazin SecurityWeek berichtet, entwickeln insbesondere Länder wie Iran, China oder Russland zunehmend Malware, die auf industrielle Steuerungssysteme abzielt.
In einer Umfrage von Palo Alto Networks gaben 76 % der befragten Unternehmen an, in den letzten 12 Monaten Opfer von Cyberangriffen geworden zu sein. Und das Cybersicherheitsunternehmen Dragos weist in einem aktuellen Cybersecurity-Report darauf hin, dass selbst HLK-Anlagen oder intelligente Beleuchtung Ziele von Cyberangriffen sein könnten.
Bevor ein Cyberangriff bis in die OT-Ebene dringt, nimmt er in der Regel auf der IT-Ebene seinen Ursprung. Von dort aus versuchen Angreifer, sich Zugang zu verschaffen, um sich anschließend durch das Netzwerk zu arbeiten. Das kann Monate oder Jahre in Anspruch nehmen. Dabei setzen sie alles daran, unentdeckt zu bleiben.
Im Unterschied zu klassischen Hacks, bei denen Skripte auf die betroffenen Systeme installiert werden, infiltrieren einige Angreifer bereits vorhandene, legitime Tools. Diese Vorgehensweise, die unter dem Radar traditioneller Cybersicherheitstools bleibt, bezeichnet man als LOTL („Living off the Land“).



