Manche der Fachbesucher des Praxistages haben sich angesichts der bevorstehenden Serialisierungsaufgabe und den damit für die Pharmaunternehmen und Lohnfertiger verbundenen Qualen an die griechischen Sagengestalten Herkules, Sisyphos und Tantalus erinnert gefühlt. Das sah man einigen Teilnehmern deutlich an. Von Vortrag zu Vortrag wurde den Teilnehmern des Praxistages vor Augen geführt, dass am Ende des Tages mehr als nur ein Stall auszumisten ist. Die Serialisierung ist eine Herkules-Aufgabe. Das wurde allen klar. Und: Die Zeit drängt. Bis Februar 2019 müssen alle verschreibungspflichtigen Medikamente mit einem Serialisierungscode und einem fälschungssicheren Verschlusssiegel ausgestattet sein. Was einfach klingt, sorgt besonders bei kleinen und mittleren Pharmaherstellern für Zeitdruck und Ängste vor dem immensen Investitionsbedarf.
Auf dem Programm des Praxistages standen insgesamt acht Sponsorenvorträge, in denen konkrete technische Lösungen vorgestellt wurden, die sich die Besucher in den Pausen auch in einer Table-Top-Ausstellung anschauen konnten. Ergänzend hierzu rundeten Vorträge von Vertretern des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie, des Zolls und von Boehringer Ingelheim den äußerst erfolgreichen Praxistag ab.
Den Praxistag „Serialisierung und Rückverfolgbarkeit“ eröffnete Günter Eckhardt, Chefredakteur der Pharmaproduktion und Moderator der Veranstaltung, pünktlich mit einer Einführung ins Thema. Thomas Brückner, Leiter Pharmazie im Bundesverband der pharmazeutischen Industrie und amtierender Vorsitzender Securpharm e.V. gab anschließend zunächst einen Überblick über die EU-Richtlinien 2011/62/EU und 2016/161 und den delegierten Rechtsakt. Dieser gilt unmittelbar ab 9. Februar 2019. Nach diesem Stichtag dürfen keine apothekenpflichtigen Medikamente mehr in Umlauf gebracht werden, die nicht über die entsprechenden Serialisierungsmerkmale verfügen. Hofften einige Teilnehmer auf eine Verschiebung dieses Termins, so nahm ihnen Brück diese Illusion. Eine Änderung des Stichtages erwartet er nicht. Formfehler sind für ihn ausgeschlossen. Etwas Hoffnung gab es trotzdem: „Was im Markt ist, darf auch im Markt bleiben – zumindest wenn es vor dem 9. Februar 2019 in Verkehr gebracht worden ist“, erläutert Brück. Der Vortrag war einerseits sehr amüsant, andererseits dennoch vollgepackt mit Fakten zu Securpharm und seiner Funktionsweise. Anfang bis Mitte 2018 will Brück die Umsetzung fertig haben. Die Zeit eilt also, um die mit der Serialisierung verbundenen Herausforderungen wie Drucken in der Linie, Tamper Evident anbringen und das Datenmanagement zu bewältigen. Für ihn ist die Serialisierung ein klassisches Eisbergprojekt. 10 % der Aufgabe sind zu sehen, 90 % nicht. Unternehmen müssen daher die Thematik verstehen, Expertenteams gründen und möglichst schnell loslegen. Vor allem das Datenmanagement wird viele Unternehmen ausgiebig beschäftigen, denn hierbei handelt es sich um ein riesiges IT-Projekt.




