Die Pharmaindustrie ist gekennzeichnet von großen Chargen mit hohen Taktraten in einer zwei- bis dreischichtigen Fertigung. Gleichzeitig müssen sehr hohe Standards und Normen in der Produktqualität, Hygiene als auch eine vollständige fälschungssichere Rückverfolgbarkeit mittels Code garantiert werden. Minimale nicht erkannte zeitliche Differenzen in der Steuerung von Anlagen führen oft in der laufenden Produktion zu minimalen Abweichungen mit teils gravierenden Auswirkungen.
Beispiele hierfür sind Verzögerungen in der dynamischen Bewegung und Ventilsteuerung beim sehr schnellen Pick and Place, sporadisch auftretendes Nachtropfen bei Abfüllvorgängen und damit verbundene Verschmutzungen sowie gelegentlich auftretendes Prellverhalten von Verpackungen im schnellen Linientransport, Sortiervorgang und der Abpackung.
Leistungsstarke hochauflösende High-Speed-Kameras erschließen die unmittelbare exakte Einsicht in sporadisch auftretende und extrem schnell ablaufende Vorgänge, die sich moderner Messtechnik und erst recht dem menschlichen Auge entziehen. Was steuerungstechnisch exakt eingestellt ist, muss nicht mit dem Ist-Zustand übereinstimmen. Kleine Abweichungen von Millisekunden in der Bewegungs- und Ventilsteuerung von Anlagen mit sehr hoher Taktrate können weitreichende Auswirkungen in der Anlagenentwicklung und in der laufenden Fertigung verursachen.
Immer mehr Unternehmen nutzen deshalb die HS-Video-Analysetechnik – sowohl in der Entwicklung von Anlagen, der Anlagenabnahme, als auch in der laufenden Produktion – zur schnellen eindeutigen Ursachenerforschung sowie zur nachhaltigen Optimierung von Prozessen in der gesamten Wertschöpfungskette.
Bei der Montage eines Arzneimittel-Spendersystems kam es immer wieder zu Fehlern bei der Zusammenstellung von Tellerfedern. Wie allgemein üblich wurde die Montage in einem langsamen Prozess eingelernt. Später in der schnellen Montagefertigung traten immer wieder in unregelmäßigen Abständen Probleme auf, deren Ursache nicht unmittelbar lokalisierbar war. Um dieses Problem zu lösen wurde eine Analyse mit High-Speed-Video und Bildfrequenzen von 500 bis 3000 fps durchgeführt. In jedem Videobild wurde das zeitliche Steuersignal vom Handlingsystem eingespeichert. In einzelnen Bildsequenzen konnte so dokumentiert werden, dass bei der Ablage der Tellerfeder am Positionierpunkt ein Verkippen erfolgte. Diese fehlerhafte Lage war die Ursache der anschließend immer wieder auftretenden Funktionsstörungen. Durch die HS-Videoanalyse wurde sehr genau festgestellt, um wie viele Millisekunden sich das Ventil des Greifers zu früh geöffnet hatte. Mit der neuen Programmierung der Anlage konnten die Ausschussrate und die Maschinenstillstände minimiert und darüber hinaus der Durchsatz um rund 10 % gesteigert werden. Bei den hohen Stückzahlen pro Schicht relativieren sich sehr schnell die Kosten für die Videoanalyse. Hinzu kommt, dass die Erfahrungen aus dieser Optimierung auch gleich noch für andere Anlagen in weiteren Fertigungswerken genutzt wurden.



