Nils Höpker, Head of Logistic und Demand Management Operations EU beim Verpackungsspezialisten Faller Packaging, erklärt im Interview, wie digitale Supply-Chain-Lösungen die Beschaffung von Verpackungen für die Pharma- und Healthcare-Branche effizienter machen können.
Herr Höpker, die Pharma- und Healthcare-Industrie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wichtigsten globalen Wachstumsmärkte entwickelt. Trotzdem ist die Branche eher konservativ, was Trends wie Digitalisierung und Vernetzung angeht. Woran liegt das?
Höpker: In der Vergangenheit waren die Produktion von Pharmazeutika und die Beschaffung der dazugehörigen Verpackungen relativ gut planbar: Die Losgrößen waren groß, die Artikelvielfalt gering, die Bestellzyklen regelmäßig und die Vorlaufzeiten ausreichend lang. Das ändert sich jedoch seit einiger Zeit: Durch immer mehr Therapie- und Darreichungsformen sowie den Trend zu mehr Individualisierung steigt die Produkt- und Variantenvielfalt rapide an. Bevölkerungswachstum und demografischer Wandel sorgen für eine wachsende Nachfrage nach Medikamenten und Healthcare-Produkten. Gleichzeitig müssen Hersteller ihre Neuentwicklungen immer schneller auf den Markt bringen, um gegenüber dem Wettbewerb im Vorteil zu sein. All das bringt die konventionellen Prozesse und Strukturen der Branche an ihre Grenzen.
Die Digitalisierung der Lieferkette birgt ein riesiges Potenzial, um diese Herausforderungen zu meistern und Produktions- und Logistikprozesse schneller, effizienter, zuverlässiger und nachhaltiger zu machen. Vielen Verantwortlichen in der Pharma- und Healthcare-Industrie wird das jedoch gerade erst bewusst. Die Chancen und Möglichkeiten der Digital Supply Chain sind oft gar nicht bekannt, oder die Tragweite des Themas wird noch nicht vollumfänglich erfasst. Dabei reden wir hier von erheblichen Zeit- und Kostenersparnissen, von denen die Unternehmen profitieren können.
Digital Supply Chain – das klingt zunächst einmal recht futuristisch. Wie kann man sich das in der Praxis konkret vorstellen?
Höpker: Digital Supply Chain bedeutet, dass alle Elemente einer Lieferkette – also Material-, Produkt-, Personen- und Informationsflüsse – digital miteinander vernetzt sind, vom Rohstoff bis zum Endkunden. In unserem Fall heißt das, dass wir mit Pharmaunternehmen viel enger als bisher zusammenarbeiten und unsere jeweiligen Prozesse optimal aufeinander abstimmen. Die Grundvoraussetzung dafür ist, alle relevanten Daten, die im Verlauf der Wertschöpfung entstehen, zu erfassen, zu speichern, zu analysieren und miteinander zu teilen. So lassen sich Abläufe besser verstehen und koordinieren, Informationen frühzeitig nutzen sowie Ableitungen für Kapazitäten und Disposition treffen.




