Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und verändertes Konsumverhalten treiben die Nachfrage nach effizienten Verarbeitungs- und Verpackungslösungen weiter an. Gleichzeitig verschärfen Rohstoffknappheit, geopolitische Unsicherheiten, regulatorische Vorgaben wie die europäische PPWR sowie Fachkräftemangel den Handlungsdruck in den Unternehmen. So lautete das Fazit aller Referenten bei der Interpack-Vorpressekonferenz zur aktuellen Situation. Ein Spannungsfeld, indem „die Branche einen Ort für Austausch und Orientierung benötigt“, betont Interpack Director Thomas Dohse. Investitionsentscheidungen müssten heute fundierter vorbereitet werden als je zuvor – mit Blick auf Technologie, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Schließlich sei, so Dohse, eine Welt ohne Verpackung nicht vorstellbar.
Vor diesem Hintergrund setzt die Messe klare inhaltliche Schwerpunkte: Smart Manufacturing, Innovative Materials und Future Skills bilden die drei Hot Topics 2026. Sie spiegeln die zentralen Transformationsfelder einer Industrie wider, die zunehmend datengetrieben, automatisiert und kreislauforientiert agiert.
Smart Manufacturing: Von KI bis Robotik
„Der Maschinenbau hatte 2025 insgesamt mit einem Minus von etwa 5 % ein sehr schwieriges Jahr. Demgegenüber verzeichnete der Verpackungsmaschinenbau ein Plus von 2 bis 3 %“, sagt Richard Clemens, Geschäftsführer des VDMA-Bereichs Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen. „Damit stehen wir eher auf der sonnigen Seite des Maschinenbaus.“ Vor allem Smart Manufacturing, von KI-gestützter Qualitätskontrolle über vernetzte Linienkonzepte bis hin zu Robotik und softwaredefinierten Fabriken, trage zu dieser Entwicklung bei. „Angesichts knapper Ressourcen wird Effizienz zum strategischen Erfolgsfaktor“, sagt Clemens. Besonders energieintensive Branchen wie die Lebensmittelindustrie profitieren von optimierten Maschinen, smarten Komponenten und ganzheitlich verbesserten Prozessen. Automatisierte Cleaning-in-Place-Systeme sichern Hygiene bei minimalem Ressourcenverbrauch.
Digitale Technologien und KI steigern OEE, Flexibilität und Qualität. Robotik, Vision-Systeme und Machine Learning ermöglichen präzise Prozesse, reduzieren Ausschuss und verhindern Überproduktion. Digitale Zwillinge beschleunigen Entwicklung, Inbetriebnahme und Schulung. Blockchain schafft Transparenz in komplexen Lieferketten.
Condition Monitoring und Predictive Maintenance minimieren Ausfälle, erhöhen Anlagenverfügbarkeit und senken Wartungskosten. So entsteht messbarer Mehrwert aus Daten.
Innovative Materials: Werkstoffe im strategischen Fokus
Mit über 1000 Ausstellern ist der Packmittelbereich in den Hallen 7 bis 10 das Herzstück der Messe – und zugleich weltweit einzigartig in seiner Bandbreite. Flexible und starre Kunststoffverpackungen halten laut VDMA/Euromonitor mit rund 65 % den größten Marktanteil bei Konsumgüterverpackungen (2024). Entsprechend stark ist ihre Präsenz auf der Messe.
Intelligente Verpackungen leisten heute weit mehr als reinen Produktschutz. Ausgestattet mit aktiven und intelligenten Technologien verlängern sie Haltbarkeit und Frische, sichern Qualität und Lebensmittelsicherheit und reduzieren nachweislich Lebensmittelverluste. Aktive Verpackungen interagieren mit dem Füllgut oder seiner Umgebung – etwa durch Sauerstoff- oder Feuchtigkeitsabsorber sowie antimikrobielle Beschichtungen auf Basis von Silberverbindungen, Pflanzenextrakten oder Chitosan. Intelligente Verpackungen überwachen mittels Indikatoren und Sensoren Parameter wie Temperatur, Frischegrad oder Dichtigkeit. Zeit-Temperatur-Indikatoren oder Stoß- und Feuchtigkeitssensoren machen Transport- und Lagerbedingungen transparent.
Im Kontext von Industrie 4.0 werden Verpackungen zunehmend zu „Extended Packaging“. QR-Codes, RFID- oder NFC-Tags ermöglichen eine lückenlose Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Rohstoff bis zum Recycling. Der digitale Produktpass schafft Transparenz für Verbraucher, erleichtert Rückrufaktionen und unterstützt Recyclingunternehmen bei der sortenreinen Zuordnung von Materialien. Track-&-Trace-Lösungen decken zudem Schwachstellen in der Logistik auf und helfen, Kühlketten zuverlässig zu überwachen.
Gleichzeitig rückt das Lebensende der Verpackung stärker in den Fokus. Ziel ist die konsequente Kreislaufführung. Während Multilayer-Kunststofffolien kaum recycelbar sind, gewinnen Monomaterialien aus PE, PP oder PET an Bedeutung. Durch unterschiedliche Herstellungsverfahren lassen sich auch mit Monofolien hohe Barriere- und Siegeleigenschaften erzielen.
Auch faserbasierte Verpackungen aus Papier oder Karton verzeichnen steigende Nachfrage. Um ihre Funktionalität zu verbessern, kommen innovative Barrierelacke oder biobasierte Beschichtungen zum Einsatz, die Recyclingfähigkeit und Produktschutz vereinen. Parallel gewinnen biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe wie PLA oder PHA sowie alternative Rohstoffe wie Algen, Pilzmyzel oder Chitin an Bedeutung. Sie eröffnen neue Wege zu nachhaltigen, leistungsfähigen Verpackungslösungen im Sinne einer echten Kreislaufwirtschaft.
Spotlight Forum: Sieben Tage, sieben Themen
Mit rund 75 Vorträgen, Sessions und Panels etabliert sich das Spotlight Forum als strategische Diskursplattform der Interpack. Unter dem Motto „7 Days, 7 Topics“ spannt das Programm den Bogen von Regulierung bis Nachwuchssicherung.
Der Eröffnungstag widmet sich der europäischen Verpackungsverordnung PPWR, der 12. Mai steht im Spotlight Forum ganz im Zeichen von „Innovative Materials“. Experten diskutieren dort Materialkonzepte, Recyclingstrategien und regulatorische Anforderungen. Am 13. Mai rückt der Branchennachwuchs in den Fokus. Verbände wie der VDMA und die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen diskutieren Qualifikationsprofile, Hochschulkooperationen und Strategien zur Fachkräftebindung.
Die internationale Bedeutung der Interpack unterstreichen zahlreiche Länderpavillons – unter anderem aus Indien, China, Taiwan, Korea oder der Türkei. Für Besucherinnen und Besucher stehen umfangreiche digitale Services bereit: Eine Aussteller- und Produktdatenbank ermöglicht die gezielte Recherche, das Matchmaking-Tool „Fairmatch“ unterstützt bei der Terminplanung. Während der Messe helfen App und MyOrganizer bei Navigation und Tagesplanung. Neu ist ein gebündelter Hotelservice.
Packaging Valley mit von der Partie
Wenn sich die internationale Verpackungsbranche 2026 in Düsseldorf zur Interpack trifft, ist auch der Packaging Valley Germany e. V. mit einem Gemeinschaftsstand von 830 m2 in Halle 16 mit von der Partie. „Wir hätten gern mehr Platz für unseren Stand gehabt, doch die Interpack ist vollständig ausgebucht“, sagt Martin Buchwitz, Geschäftsführer Packaging Valley. Insgesamt nehmen 49 der 125 Mitgliedsunternehmen teil, davon 17 Mitaussteller auf dem Packaging Valley Gemeinschaftsstand. Der gewachsene Messeauftritt steht exemplarisch für die Entwicklung des Netzwerks in den vergangenen Jahren. Mit dem 2025 eingeführten Slogan „Your network for packaging excellence“ bringt Packaging Valley sein Selbstverständnis auf den Punkt: Vernetzung ist der Schlüssel für Innovation. „Messen sind nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt für Kommunikation im B-to-B-Bereich. Unsere Produkte sind kein Standard, sondern meistens maßgeschneidert. Der Austausch auf der Messe erlaubt den Aufbau von Vertrauen, davon lebt unser Geschäft“, sagt Markus Höfliger, Vorstand Packaging Valley.
Neben technischen und nachhaltigen Aspekten rückt auch die Fachkräftesicherung stärker in den Fokus. Nicht nur durch die Tatsache, dass in den nächsten Jahren viele Mitarbeiter in Rente gehen werden, auch der Umstand, dass ingenieurwissenschaftliche Studiengänge zuletzt starke Rückgänge bei den Studienanfängern zu verzeichnen hatten, stellen eine Herausforderung dar. Dementsprechend steht für die Unternehmen der Nachwuchs ganz oben auf der Agenda.
Dr. Johannes-Thomas Grobe, CEO Optima Pharma: „Wir sind ständig auf der Suche nach Ingenieuren, vor allem im Softwarebereich.“
Mit dem erweiterten Gemeinschaftsstand auf der Interpack 2026 setzt Packaging Valley diesen Weg konsequent fort. Als starkes Netzwerk, als Innovationsplattform und als Sprachrohr der Branche im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus bündelt Packaging Valley die Kompetenzen seiner Mitglieder, fördert Zusammenarbeit, beschleunigt Innovationen und stärkt die Position der Branche insgesamt.
Plattform für Investitionsentscheidungen
Die Interpack positioniert sich 2026 nicht nur als Innovationsschaufenster, sondern als strategische Plattform für Investitions- und Standortentscheidungen. Zwischen KI, Kreislaufwirtschaft und regulatorischem Wandel verdichtet sich in Düsseldorf, wohin sich die globale Verpackungsindustrie bewegt – technologisch, ökologisch und organisatorisch.
Suchwort: Interpack
Dr. Bernd Rademacher
Redakteur
Interpack 2026: Spotlight Forum
Das Spotlight Forum der interpack 2026 steht unter dem Motto „7 Days, 7 Topics“ und greift zentrale Zukunftsthemen der Verpackungsbranche auf.
- Am 7. Mai dreht sich alles um die europäische Verpackungsverordnung PPWR – mit Fokus auf Rezyklateinsatz, Mehrwegquoten, Recyclingraten, Kennzeichnung und Wettbewerbsfähigkeit.
- Der 8. Mai widmet sich der Ressourceneffizienz: Optimierte Prozesse, datenbasiertes Benchmarking und resiliente Lieferketten stehen im Mittelpunkt.
- Am 9. Mai geht es um smarte Verpackungen, digitale Identifikation, 2D-Codes und den digitalen Produktpass als Basis für neue Geschäftsmodelle und Rückverfolgbarkeit.
- Der 10. Mai rückt Automatisierung und KI in den Fokus – von der „Factory of the Future“ über KI-gestützte Inspektion bis zur softwaredefinierten Fabrik.
- Am 11. Mai stehen Kreislaufwirtschaft, Lebenszyklusanalysen und nachhaltige Verpackungsstrategien internationaler Marken im Zentrum.
- Der 12. Mai behandelt innovative Materialien und Design-for-Recycling-Konzepte.
- Der 13. Mai schließlich gehört dem Branchennachwuchs mit Strategien zur Fachkräftegewinnung und -bindung.




