Die Ziffern 4.0 bereiten vielen Pharmaunternehmen Kopfzerbrechen. Für die eher konservative Haltung gibt es einen guten Grund: Prozess- und Produktionssicherheit stehen im Fokus. Sind sie gestört und können die Produkte nicht geliefert werden, drohen mehr als nur finanzielle Einbußen. Auch ein gefährlicher Imageverlust ist damit verbunden. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Chancen, die neue digitale Technologien bieten. Werden sie richtig eingebunden, führen sie zu besser funktionierenden Gebäuden und Prozessen.
Viele Technologien sind bereits verfügbar und wirtschaftlich – es fehlt nur ihre durchdachte Integration und Vernetzung. Moderne Sensorik erlaubt es zum Beispiel, ein realistisches Bild von der aktuellen Situation im jeweiligen Gebäudeteil zu erhalten. Auf dieser Basis können Unternehmen beispielsweise entscheiden, ob zusätzliche Wärmepolster in der Produktion stehen sollten. Außerdem erhöht ein sinnvoll aufgebautes Tracking die Transparenz in Bezug auf die Wege, die Personen und mobile Anlagen in Gebäuden zurücklegen. Anhand dieser Informationen können die betroffenen Arbeitsabläufe analysiert und verbessert werden. Aktuell werden in der Pharmaindustrie vor allem Daten über Temperatur, Partikel oder Feuchte gesammelt – aber nicht über das Verhältnis zwischen Gebäude und Nutzer. Aufgrund fehlender Informationen entziehen sich viele Prozesse der Optimierung.
Ein weiteres Beispiel für die Möglichkeiten von digitalen Tools in der Pharmaproduktion bezieht sich auf die Oberflächen im Reinraum. Berührungen weitgehend zu vermeiden, Anlagen und Prozesse ohne Körperkontakt zu steuern, das ist keine Science Fiction. Sprachsteuerungssysteme wie iOS-Siri oder Amazon Alexa weisen bereits heute darauf hin, in welche Richtung die Zukunft der Pharmaindustrie geht. Dafür müssen allerdings alle Systeme miteinander vernetzt sein. Die Menge und Bandbreite an verfügbaren IoT-fähigen Geräten ist enorm. Aber ihr Potenzial wird meistens nicht voll ausgeschöpft, weil sie nicht von Anfang an intelligent miteinander verknüpft sind.
Bauherren der Pharmaindustrie müssen sich bereits in der frühen Phase der Projektplanung Gedanken darüber machen, welche Ziele sie mit den neuen Technologien erreichen möchten. Denn bereits zu diesem Zeitpunkt werden auch die baulichen Voraussetzungen geregelt. Sind die Räume einmal qualifiziert, können Änderungen erst nach einem genauen Verfahren erfolgen, was zusätzliche Kosten bedeutet. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist es deshalb, am Anfang des Projekts eine Digitalisierungsstrategie zu definieren. Jedes Unternehmen hat dabei unterschiedliche Bedürfnisse. Es gibt nicht das eine Rezept für die Digitalisierung. Dazu werden zunächst die Anforderungen in einem Lastenheft zusammengefasst und im Anschluss die notwendigen Digitalisierungsbausteine festgelegt.




