Bei hybriden Gemischen verstärken sich und die negativen Eigenschaften: Die Mindestzündenergien sind niedriger, die maximalen Explosionsdrücke höher als bei den Einzelkomponenten. Eine genaue Evaluation der chemisch-physikalischen Charakteristika der zu verarbeitenden Produkte ist hier besonders wichtig.
Grundlage für die Entscheidung, ob und in welchem Umfang Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind, sollte generell die systematische Risikobeurteilung sein. Dabei wird im ersten Schritt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens explosionsfähiger Atmosphären sowie potenziell wirksamer Zündquellen überprüft, bevor die Heftigkeit der Auswirkungen einer Explosion klassifiziert wird. Für die Beurteilung der Auswirkungen einer Explosion sind unter anderem der KSt-/KG-Wert und der maximale Explosionsdruck ausschlaggebend. Der KSt-Wert (für Stäube) bzw. KG-Wert (für Gas) definiert die Geschwindigkeit, mit der sich die Explosion im geschlossenen Behälter ausbreitet. Er misst die Stärke der Explosion im Vergleich zu anderen Stäuben/Gasen. Der KST-Wert von Acetophenon liegt beispielsweise bei 109, von Methanol bei 75 bar m/s. Für Maisstärke beträgt der Kg-Wert 163, für Zucker 154 und für das hybride Gemisch von Maisstärke und Propan 530 bar m/s. Pmax ist der maximale Druck, der durch eine Explosion des jeweiligen Mediums in einem geschlossenen Behälter auftritt. Er liegt für die aufgeführten Gase, Stäube und das Gemisch zwischen 7,6 und 8,8 bar. Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Explosion wird gemäß VDI-Richtlinie 2263 klassifiziert. Die Wahrscheinlichkeit reicht von Gruppe A (häufiger als einmal im Jahr) bis F (ein Mal in tausend Jahren).
In Schritt 2 der Risiko- und Gefahrenanalyse werden die Auswirkungen einer Explosion auf Personen, Umwelt sowie die Schadenshöhe bewertet. Beide Bewertungen werden in einer Matrix zusammengeführt. Die so ermittelten Kennzahlen geben an, ob und in welchem Maße eine Anlage bzw. ein Anlagenteil geschützt werden muss. Bei grün hinterlegten Feldern sind keine Schutzmaßnahmen erforderlich. Rot hinterlegt bedeutet, dass Schutzmaßnahmen dringend notwendig sind. Je höher die Bewertungszahl, desto umfangreicher muss der Schutz sein.
Nach der Risikobeurteilung gilt es, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Organisatorische Maßnahmen wie die regelmäßige Wartung der Anlagenteile, eine gründliche Reinigung aller Komponenten sowie der Produktionsstätten selbst und Schulungen des zuständigen Personals klingen zwar selbstverständlich. Dennoch gibt es vielerorts reichlich Verbesserungspotenzial. Dazu sind Konzepte des vorbeugenden Explosionsschutzes zu realisieren. Sie zielen darauf ab, explosionsfähige Stäube bzw. Gase und/oder Zündquellen zu vermeiden und die Wahrscheinlichkeit von Explosionen zu verringern. Optionen hierfür sind die Belüftung, Entstaubung und Reinigung von Luft und Oberflächen, die Inertisierung oder der Einsatz von Funkenlöschanlagen.




