Die Autoren: Ralf Gengenbach Geschäftsführer, Gempex Rino Woyczyk Head of Life Sciences Division, Drees&Sommer
Das große Problem im Pharmaanlagenbau ist, dass die Bauten oft nach einem Schema geplant und realisiert werden, das Gebäude, Prozess- und GMP-Anforderungen zu sehr voneinander trennt. Die Gewerke arbeiten meist unabhängig voneinander mit unterschiedlichen Zielrichtungen und mit zu wenig Abstimmung und Koordination und das bei oft ungeheurem Zeitdruck. GMP ist zwar grundsätzlich ein Thema und in den ersten Ausschreibungsunterlagen enthalten, geht aber spätestens dann verloren, wenn sich die Ausführung auf die Vielzahl unterschiedlicher Fachgewerke verzweigt, die alle für sich spezifische GMP-Anforderungen zu erfüllen haben. Besonders schmerzlich macht sich dies im Bereich der technischen Anlagenqualifizierung bemerkbar, dann wenn die Lieferanten spezifische Prüfungen und Tests in speziell dokumentierter Form bereitstellen müssen. Dies wird im Vorfeld mit den Lieferanten wohl besprochen, alleine an der endgültigen Ausführung und Qualität mangelt es nicht selten. Von der zeitgerechten Einbindung der Qualitätseinheiten des späteren Betreibers ganz zu schweigen. Auch wenn man aufgrund der Komplexität der Projekte hierfür Verständnis aufbringen mag, am Ende entscheidet die Qualität und zwar die Pharmaqualität, die GMP-Anforderungen und die Qualität der damit verbundenen Dokumente.
Ein Neu- oder Umbauprojekt muss GMP-Anforderungen von Anfang an berücksichtigen, muss die detaillierten Vorgaben, die die Produktqualität bestimmen, in einem sogenannten Lastenheft (User Requirement Specification) definieren. Verantwortlich hierfür ist das Validierungsteam. Es sind Prozess-, Qualitäts-, Entwicklungs- und Technikexperten, die namentlich in einem Validierungsmasterplan, einem zentralen Lenkungsdokument, als Verantwortliche hierfür benannt werden. Sie legen auch fest, nach welchem Konzept die technischen Einrichtungen und die später in der Anlage umzusetzenden Prozesse getestet werden müssen – das sogenannte Qualifizierungs- und Validierungskonzept. Und auch die Risikoanalyse als wesentliches Instrument, mit dem die qualitätskritischen Attribute identifiziert werden, wird im Gesamtprojektplan üblicherweise berücksichtigt.
Doch dies ist nur der Anfang und es sind nur Grundelemente von GMP, die noch überschaubar in den Gesamtablauf integriert werden können. Erst beim näheren Hinschauen wird einem klar, dass es alles andere als einfach ist, alle notwendigen GMP-Aktionen zur rechten Zeit an der rechten Stelle im Ablauf eines Planungs- und Bauprojektes zu berücksichtigen. So ist alleine die Risikoanalyse in mindestens drei Phasen zu unterteilen:
- Eine Risikoklassifizierung hilft, unkritische technische Systeme von Anfang an aus den GMP-Betrachtungen auszunehmen




