Pharmaunternehmen haben 2023 in Deutschland 30 Medikamenten mit neuem Wirkstoff eingeführt und damit für neue Möglichkeiten zur Behandlung oder Vorbeugung gesorgt. In dieser Statistik nicht mitgezählt sind zwei Medikamente, die ihre Hersteller nach nur wenigen Monaten wieder vom Markt genommen haben. Zum Vergleich: 2021 und 2022 wurden 46 bzw. 49 Medikamente mit neuem Wirkstoff in Deutschland eingeführt. Für diesen starken Rückgang macht vfa-Präsident Han Steutel hätte u.a. das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz von 2022 verantwortlich. Mit seinen Eingriffen in das Erstattungssystem habe es dazu beigetragen, Unternehmen von der Vermarktung einzelner Medikamente in Deutschland abzubringen. Und das dürfte sich fortsetzen. So ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher, ob die mehr als 40 neue Medikamente gegen unterschiedlichste Krankheiten, die im Jahr 2024 für einen Markteintritt in EU-Ländern in Betracht kommen, auch in Deutschland auf den Markt gebracht werden. Steutel: „Bis 2022 ließen es die deutschen Rahmenbedingungen zu, dass Unternehmen fast alle ihre neuzugelassenen Medikamente zeitnah und dauerhaft auf den Markt bringen. Doch seit dem Inkrafttreten des GKV Finanzstabilisierungsgesetzes mit seinen folgenreichen Eingriffen auch in das Erstattungssystem hat sich das geändert. Es ist daher offen, welche neuen Medikamente tatsächlich Deutschland erreichen und auch nach der Nutzenbewertung als Therapieoptionen verfügbar bleiben.“ Für folgende Krankheiten sind für das Jahr 2024 neue Medikamente zu erwarten:
Alzheimer-Demenz
2024 könnten erstmals seit 2002 wieder ein oder zwei neue Medikamente gegen die Alzheimer-Demenz in die Versorgung kommen. Sie können den Demenzprozess nicht anhalten, aber Studien zufolge bei frühzeitiger Anwendung verlangsamen. Derzeit laufen für sie die Zulassungsverfahren bei der European Medicines Agency, der EMA. Der Einreichung der Zulassungsanträge für die Antikörper-basierten Medikamente gingen branchenweit mehr als 150 gescheiterte Projekte für die Entwicklung von Alzheimer-Therapeutika voraus.
Krebserkrankungen
Rund ein Viertel der Medikamente, für die 2024 eine Markteinführung in EU-Ländern möglich werden dürfte, könnte Menschen mit ganz unterschiedlichen Krebsarten zugutekommen: etwa mit Brust- oder Prostatakrebs, mit Magen-, Darm- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, mit Gallengangkarzinom, nicht-kleinzelligem oder kleinzelligem Lungenkarzinom, Nasopharynx- oder Merkelzell-Karzinom, Melanom, Multiplem Myelom, Myelofibrose, Myelodysplastisches Syndrom oder Non-Hodgkin-Lymphom.
Die dafür in Betracht kommenden Medikamente gehören zu unterschiedlichen Arzneimittelklassen: Neben einigen Kinasehemmern, einem Antikörper-Toxin-Konjugat und mehreren Checkpoint-Inhibitoren könnten unter anderem zwei bispezifische Antikörper eingeführt werden, die Immunzellen an Krebszellen ketten, damit sie diese zerstören.




