Die chemische Analyse der rougingbildenden Schichtpartikel ergibt ähnliche Bestandteile wie die betreffende Edelstahlbasislegierung: Oxide von Fe, Cr, Ni, Mo.
Das bedeutet, dass sich beim Rouging offenbar die medienberührte Edelstahloberflächenschicht von der chromoxidreichen Passivschicht in eine Fe-Oxid-dominierte Rougingschicht gewandelt hat (Phaseninversion, Rougeinversion), wobei sich zudem Rougingpartikel durch Strömungsvorgänge von der entstandenen Oberflächenposition ablösen und häufig im System an andere Stellen (z. B. Produktionsbereich, der mit WFI versorgt wird, bzw. mit Reindampf sterilisiert wird) transportiert und dort abgelagert werden.
Die bei Rouging entstandene Edelstahloberflächenschicht besteht im Wesentlichen aus Eisenoxid, welches im Vergleich zur intakten chrom-oxidreichen Passivschicht eine deutlich weniger ausgeprägte Schichtkompaktheit bzw. Dichtheit hat. Dieser Umstand erklärt u. a. auch die eisenoxidreiche schwermetalloxidische Partikelgeneration aus der Rougingschicht in das strömende Medium (z. B. WFI).
Der Rougingeffekt ist in jedem Fall ein flächiger Korrosionseffekt (Korrosion), wobei die vorher intakte chromoxidreiche Passivschicht aufgrund der Umgebungsbedingungen (heißes Reinwasser) jedenfalls lokal, bzw. an diskreten Stellen beginnend, kollabiert und damit einer verstärkten Eisenoxidbildung als Korrosionseffekt zugänglich wird.
In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass bei höheren Temperaturen aus thermodynamischen Gründen die Affinität von Eisen zu Sauerstoff der von Chrom zu Sauerstoff zunehmend ähnlicher wird. Zudem ist der Vorgang der Repassivierung der Passivschicht infolge stark reduzierter gelöster O2-Mengen im heißen Wasser deutlich geschwächt.
Die Rougingbildung erfolgt nicht über die Reaktion Fe + O → FeO (Sauerstoffkorrosion), sondern über die Hydroxidbildung (Wasserstoffkorrosion)
Fe2+ + 2 OH– = Fe(OH)2 bzw.
Fe(OH)2 → FeO + H2O
