Eine Gruppe junger Männer mit 3-D-Brillen sitzt vor einer großen Leinwand, intensiv ins Gespräch vertieft. Schritt für Schritt gehen sie durch die virtuell dargestellte Abfüll- und Verpackungslinie und diskutieren über jedes mögliche Ersatzteil. Drei der Teilnehmer dieses VR-Workshops bei Bausch + Ströbel in Ilshofen sind Mitarbeiter von CSL Behring. Sie sind dort mit der Wartung und Instandhaltung der Anlage betraut und gehen mit ihrem Ersatzteilmanagement einen völlig neuen Weg.
CSL Behring ist seit mehr als 100 Jahren führend in der Erforschung und Entwicklung von Biotherapeutika. Die Wurzeln des Unternehmens lassen sich zu Emil von Behring zurückverfolgen, dem ersten Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin. Heute bietet CSL Behring eine der branchenweit breitesten Paletten an hochwertigen, aus menschlichem Blutplasma und rekombinant hergestellten Produkten. Für die Herstellung und Weiterverarbeitung der Therapeutika ist eine hohe Sorgfalt im Produktionsverfahren sowie die Einhaltung strenger Regularien notwendig. Ganz besonders gilt dies für den Bereich, in dem der Wirkstoff portionsweise abgefüllt wird. Die meisten Arbeitsschritte laufen deshalb im Reinraum automatisiert ab: mit speziell für diesen Zweck konzipierten vollautomatischen Abfüll- und Verschließanlagen von Bausch+Ströbel. Der Bedarf an menschlichen Eingriffen ist auf ein Mindestmaß reduziert. Die Menschen, die hier arbeiten, sind besonders geschult – nur sie können diesen Raum während des Abfüllprozesses betreten – und auch nur in spezieller Kleidung und nach dem Durchqueren mehrerer Schleusen. „Sie können sich vorstellen, wie aufwendig es ist, unter diesen Bedingungen Reparaturen durchzuführen“, erklärt Betriebsingenieur Jan Bieker, der für die Verfügbarkeit und Produktivität der Anlagen in Marburg verantwortlich ist. Hinzu kommt, dass die Anlagen fast rund um die Uhr im Einsatz sind, die Zeiten, in denen z. B. Kontrollen durchgeführt oder Teile vorsorglich getauscht werden können, sind eng getaktet. Aus diesem Grund ist es von zentraler Bedeutung, die richtigen Teile griffbereit zu haben.
Blick hinter die Kulissen mit VR
Heute hingegen haben Jan Bieker und seine Kollegen Patrick Elsässer und Daniel Siebert kein Problem, die Abdeckung des Unterbaus abzunehmen, sich die darunterliegende Technik, die Servomotoren, Antriebswellen und weitere Bauteile in aller Ruhe genauer anzuschauen, die Türen zum sensiblen Abfüllbereich zu öffnen und das Füllsystem unter die Lupe zu nehmen. „So genau habe ich die Anlage noch nie gesehen“, erklärt Daniel Siebert begeistert. Denn gerade steht er ja nicht im heimischen Reinraum, sondern vor der großen Leinwand, auf der er die Anlage in Originalgröße mithilfe einer 3-D-Brille betrachten und mit speziellen Controllern auch bedienen kann.
Das Techniker-Team zeigt sich begeistert von den Möglichkeiten, die das Virtual-Reality-Center von Bausch + Ströbel bietet. „Das VR-Center ist ein spezielles Angebot für unsere Kunden. Es wird zum Beispiel genutzt, um das Maschinendesign am Anfang eines Projekts anschaulich zu besprechen oder aber um Bedienpersonal zu schulen, ohne dass die Anlage hierfür aus der Produktion herausgenommen werden muss“, erklärt Florian Naser. Heute ist der Fokus allerdings anders gesetzt, heute unterstützt er mit dem VR-Center seine Kollegen Daniel Bühler und Lucas Fischer aus der Abteilung Service.




