Austenitische Edelstahllegierungen 1.4404, 1.4435 mit kubisch-flächenzentrierter (kfz) Gefügestruktur zeigen bei der Verarbeitung (Schweißen, Verformen) fallweise lokale Bauteilbereiche mit Deltaferritanteilen. Bevorzugt liegen Deltaferritphasen in Schweißnähten in Form von kubisch-raumzentrierten (krz) Gefügeinseln – z. B. im Zentrum der Schweißnaht – vor, wobei Auftreten und Örtlichkeit v. a. durch den Abkühlvorgang (Abkühlen) des Schweißbereichs nach dem Schweißen und die damit verbundenen entsprechenden Diffusionsprozesse (Diffusion) beeinflusst werden.
Deltaferritanteile aufgrund massiver plastischer Verformungen (etwa in Flanschteilen) liegen dagegen i. Allg. relativ homogen verteilt im kfz Gefügeverband vor.
Die Deltaferritbestimmung ist sowohl auf direktem Wege durch Nassschliffpräparation und anschließende Gefügeätzung mittels Mikroskopie möglich als auch indirekt (und zerstörungsfrei) über die physikalischen Eigenschaften von ferritischem Gefüge. Dieses weist deutliche ferromagnetische Eigenschaften auf und erhöht den magnetischen Fluss und damit die Magnetisierungswirkung in einem elektromagnetischen Feld signifikant, während austenitische Bezirke nicht oder nur sehr schwach magnetisierbar sind.
Aufgrund dieses Sachverhalts wurden entsprechende Messtechniken und Messgeräte zur Messung von ferritischen Phaseneinschlüssen bzw. Anteilen in der austenitischen Legierung entwickelt.
Deltaferritmessung durch Ätzung
Die Gefügebereiche von austenitischen Edelstahllegierungen, in denen Deltaferritanteile vermutet werden, können durch einen sachgerechten metallographischen Schliff (mit Korn K 1.200) präpariert und danach potentiostatisch mittels NaOH als Elektrolyt oder aber chemisch mit HF / HNO3 angeätzt werden. Im Mikroskop können dann die typischen inselartigen Deltaferritphasen im austenitischen Matrixgefüge eindeutig erkannt werden (Abb. D 7 und D 8).
Diese Prüfmethode ist eine zerstörende Werkstoffprüfung.
