Der Bericht „Assessing Deep-Tech Innovation Hubs in Germany: The Case of Biotechnology“ bewertet Deutschlands Innovationsleistung in der Biotechnologie. Er untersucht Berlin, Heidelberg, München, Nürnberg-Erlangen und Stuttgart hinsichtlich Grundlagenforschung, Forschung und Entwicklung, Unternehmensgründungen, öffentlicher Infrastruktur und Geschäftsumfeld.
Berlin, München und Heidelberg sind Spitzenreiter
Berlin führt dank guter öffentlicher Infrastruktur und viel klinischer Forschung. München punktet mit Start-up-Förderung und später Finanzierung. Heidelberg glänzt in der Grundlagenforschung. Nürnberg-Erlangen profitiert von Medizintechnik-Spezialisierung, Stuttgart von einer vielseitigen Wirtschaftsstruktur. „Biotechnologie ist essenziell für Gesundheitsversorgung und Klimaschutz“, sagt Francis de Véricourt, Professor an der ESMT. Der Bericht analysiert acht Jahre und bewertet die Biotechnologie-Zentren entlang der Wertschöpfungskette.
„Die Fähigkeit der Zentren, Forschung in marktreife Lösungen umzuwandeln, hat abgenommen“, erklärt Daniel Posch von der Bertelsmann Stiftung. Trotz eines Aufschwungs während der COVID-19-Pandemie verlor die Effizienz, außer in München.
Biotech verschenkt Potenzial
Der Biotechnologie-Sektor in Deutschland verschenkt Potenzial. Trotz starker Grundlagenforschung, einer soliden Chemie- und Pharmaindustrie und internationaler MINT-Studierender mangelt es an Wissenstransfer in marktreife Anwendungen. Posch beschreibt die Innovationspotenziale als „lost in translation“.
Technologietransfer in Deep-Tech ist aufgrund hoher Risiken schwieriger als in anderen Branchen. Die Fragmentierung der deutschen Biotechnologie-Landschaft erschwert die Lage zusätzlich.
Deutsche Zentren vernetzen
Professor de Véricourt sieht in der gezielten Förderung von Kooperationen zwischen deutschen Zentren einen Hebel zur Steigerung der Innovationsdynamik. „Unsere Untersuchung zeigt komplementäre Stärken der Standorte. Eine stärkere Vernetzung könnte ein zusammenhängendes Ökosystem schaffen“, so de Véricourt.
Neben der Förderung von Kooperationen und Vernetzung auf europäischer Ebene sollten begrenzte Ressourcen gezielt auf vielversprechende Standorte ausgerichtet werden. So kann eine kritische Masse an Forschung und Unternehmertum entstehen, argumentiert Posch. „Zukünftige politische Initiativen sollten auf Exzellenz statt Breitenförderung fokussieren.“
Der vollständige Bericht ist hier abrufbar.




