Die aktuelle Entwicklung in der Prozessindustrie wird ganz wesentlich von zwei Faktoren bestimmt: der Globalisierung und der Individualisierung. Die Globalisierung erlaubt es heute, an jedem Ort der Welt Güter von überall zu beziehen. Die Individualisierung von Konsumgütern unterschiedlichster Art erleben wir derzeit in der Lebensmittelindustrie ebenso wie im Bereich Pharma und Medizin. Bekannt ist beispielsweise das Start-up „mymuesli.com“. Inzwischen stehen über 5 Bio. Varianten von Müsli in England, Frankreich und Deutschland auf dem Frühstückstisch.
An die Prozessindustrie stellen diese Trends enorme Herausforderungen. Denn individuelle Produkte lassen sich mit Blick auf ihre Herstellung nicht planen wie Massenprodukte. Kürzere Produktlebenszyklen erschweren die Planung zusätzlich und verkürzen die Zeit bis zur Marktreife. War bisher in der Prozessindustrie insbesondere eine hohe Verfügbarkeit der Anlage gefragt, so wird heute zunehmend die Flexibilität des Prozesses zum immer entscheidenderen Kriterium. Dieser Trend fordert folgerichtig auch vielfach die Abkehr von bestehenden Prämissen beim Analgenbau: Verfahrenstechnische Anlagen sind oder waren bisher in der Regel Anlagen aus einem Guss. Entworfen von Planern nach dem Top-down-Vorgehen, optimiert unter den Gesichtspunkten optimaler Ausbeute, geringen Rohstoffeinsatzes und minimalen Energieverlusts. Dabei wurde eine vergleichsweise lange Planungszeit und eine komplizierte Konstruktion der Anlage mit verschlungenen Stoffflüssen in Kauf genommen. Nun allerdings sind immer häufiger Anlagen gefragt, die zahlreiche Produktvarianten auf ein und derselben Produktionslinie herstellen und es erlauben, einzelne Anlagenmodule bei Bedarf zu tauschen oder zu ergänzen bzw. in ihrer Anzahl durch ein Numbering-up zu erhöhen, ohne dadurch die restliche Anlage zu tangieren. Gefragt ist ein Produktionsprozess, der mit der Dynamik des Marktes Schritt hält. Das allerdings stellt nicht nur neue Anforderungen an den physikalischen Aufbau der Anlage, sondern ebenso an das Automatisierungssystem.
Das Automatisierungssystem muss sich nach einem Umbau der Anlage schnell auf die neue physikalische und funktionale Produktionsstruktur anpassen lassen. Wünschenswert wäre ein „Plug-and-Produce“, in dessen Rahmen funktional unabhängige Module über eine standardisierte Schnittstelle so beschrieben sind, dass der Programmieraufwand während oder nach einem Umbau der Produktionsanlage so gering wie möglich ausfällt. Eine Anpassung der Anlage in wenigen Minuten also – und das ohne Programmieraufwand.
Mit der Dima hat Wago zur Namur-Hauptsitzung 2014 eine solche herstellerunabhängige Methode vorgestellt. Dima erlaubt den Aufbau modularer Automatisierungsstrukturen in der Prozessindustrie. Herzstück der Dima-Methodik ist das Modul Type Package (MTP). Hierbei handelt es sich um eine neue Beschreibungsform für Anlagemodule, die alle Informationen enthält, die erforderlich sind, um das Anlagenmodul in eine Prozessführungsebene zu integrieren. Unter anderem beinhaltet das MTP die eigene verfahrenstechnische Funktion, die das Modul durch Dienste anbieten kann. Zur Integration des Anlagenmoduls muss nun lediglich das MTP in das Prozessleitsystem importiert werden und seine verfahrenstechnische Dienste mithilfe eines Batch-werkzeuges zu einem Gesamtprozess orchestriert werden.



