Herr Rohn, Turck hat in Korea ein Pilotprojekt zur Serialisierung von Medikamentenverpackungen umgesetzt. Worum ging es dabei genau?
Rohn: Das Pilotprojekt, das wir mit weiteren Partnern für den südkoreanischen Pharmahersteller Daewon Pharm realisiert haben, steht beispielhaft für eine automatisierte Serialisierung von Pharmaprodukten. Die erfordert neben der eigentlichen Identifikation durch Barcodes oder RFID-Datenträger aber noch mehr: Die Daten müssen im System nicht nur an einzelnen Punkten vorliegen, sondern in einem Netzwerk verfügbar sein, das die gesamte Produktions- und Vertriebskette durchzieht. Aktuell erfolgt die Serialisierung bis zum Einlagern der Arzneimittel im Lager von Daewon. In einer finalen Ausbaustufe können auch Großhändler und jede einzelne Apotheke in das System und die Daten-Cloud eingebunden werden.
Welche weiteren Partner waren am Pilotprojekt beteiligt und was war deren Beitrag?
Rohn: Hauptvertragspartner in dem Projekt war das Biotechnik- und Pharmaunternehmen Hanmi, das viel Wissen und Erfahrung aus der Umsetzung einer eigenen RFID-Lösung beisteuern konnte. Mit RFID revolutionierte Hanmi sein Verteilungssystem, was unter anderem eine Expansion auf den amerikanischen Markt ermöglichte. Die Tochterfirma Hanmi IT hatte bereits Erfahrung mit dem selbstentwickelten Supply-Chain-Management-System „Keidas“ gesammelt, auf die das Daewon-Pilotprojekt aufbauen konnte. Die Software erfasst den gesamten Produktions- und Logistikprozess – vom Produktionsstart über Verpackung, Versand und Warenannahme bis zum Verkauf der Produkte. Alle Daten sind dabei über eine Daten-Cloud an jedem Punkt der Produktions- und Vertriebskette für alle Mitglieder der Supply Chain verfügbar. Weitere Projektpartner waren South Korea Telecom (SKT) für die Daten-Cloud und das Beratungsunternehmen Agathon, das die Projektpartner bei der Computer-System-Validierung unterstützte.
Was genau war Ihre Aufgabe?
Rohn: Turck Korea leistete den gesamten Automatisierungsteil im Projekt. Wir haben dazu komplette Maschinen entwickelt und gebaut, um die notwendigen Codes und Datenträger auf unterschiedliche Verpackungseinheiten drucken, fixieren, überprüfen und lesen zu können. Diese Maschinen, integrierte Etikettiermaschine und die sogenannten Turck/Hanmi-RFID-Bulk-Reading-Machines, kommunizieren mit dem Keidas-System, in dem die Produktions- und Verpackungsprozesse abgebildet werden. Wir konnten für die Maschinen auf zahlreiche Produkte aus unserem Portfolio zurückgreifen: Neben induktiven Sensoren, Leitungssets, Netzteilen, VT250-HMI-Steuerungen und BL20-Feldbus-Gateways zählen dazu auch etliche Produkte unseres Opto-Sensorik-Partners Banner Engineering, wie etwa Lichtschranken, Notaustaster sowie Kameras und Vision-Sensoren in der Anlage.




