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    150 Jahre Tablettenpressen aus Berlin und Köln
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    Branche & Markt

    150 Jahre Tablettenpressen aus Berlin und Köln

    Vor 150 Jahren hat der Entrepreneur Fritz Kilian aus einer kleinen Berliner Schlosserwerkstatt ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaute, das bis heute zu
    Veröffentlicht
    12. Januar 2026
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Branche & Markt

    Vor 150 Jahren wurde in einer kleinen Schlosserwerkstatt in Berlin-Lichtenberg der Grundstein für das heutige Traditionsunternehmen Romaco Kilian gelegt. In dem 1875 eröffneten Betrieb des Vaters entdeckte der junge Friedrich Franz Otto Kilian seine Begeisterung für das Ingenieurwesen. Nach seiner Lehre als Mechaniker übernahm der Junior 1886 das Geschäft des früh verstorbenen Vaters. Im Auftrag der Berliner Apothekerschaft entwickelte Fritz Kilian verschiedene Pressvorrichtungen wie zum Beispiel eine handbetriebene Spindelpresse zur Produktion von Pastillen, für die er 1891 sein erstes Patent erhielt. Die Konstruktion einer automatisch arbeitenden Tablettenpresse war sein nächstes großes Ziel. Mit dem Prototyp überzeugte er die kaiserliche Militärverwaltung, was seine Auftragslage auf ein neues Niveau katapultierte. Fritz Kilian hatte sich als Unternehmer erstmals einen Namen gemacht, bezog mit seiner Firma neue Räumlichkeiten und gab ihr den Namen „Fabrik pharmaceutischer Maschinen und Geräthschaften“. 1898 folgte das Patent für seine Universalpresse – die Exzentertablettiermaschine 4D mit integrierter Bedruckung der fertigen Tabletten.

    Gradliniger Aufstieg

    Um den stetig wachsenden Auftragseingang bewältigen zu können, errichtete Fritz Kilian in Berlin-Lichtenberg ein neues Firmengebäude samt Wohnhaus und firmierte ab 1899 als „Fritz Kilian Maschinenfabrik“. Als Firmenlogo wählte er eine Pulvermühle mit seinen Initialen und verwies damit auf seine Expertise im Umgang mit den Rohstoffen der Tablettierung – Know-how, das auch damals schon für die Qualität des Endprodukts entscheidend war. Sein ganzheitlicher, kundenorientierter Ansatz sowie sein Weitblick bezüglich der Bedeutung von Komprimaten für die verschiedenen Industriezweige waren Schlüssel seines unternehmerischen Erfolgs.

    Mit dem Bau eines zweiten Werks in Berlin-Hohenschönhausen vergrößerte Fritz Kilian die Produktionskapazitäten ab 1905 entscheidend und schaffte damit die idealen Voraussetzungen für ein modernes Unternehmen mit über 100 Mitarbeitenden und zahlreichen Auslandsvertretungen, unter anderem in den USA und Großbritannien. 1913 wurde er auf der Expo in Gent (Belgien) mit dem „Grand Prix“ für seine Automaten zur Herstellung pharmazeutischer Produkte ausgezeichnet. Im Laufe seiner langen Karriere ließ er zahlreiche seiner Erfindungen weltweit durch über 60 Patente schützen. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand mit 74 Jahren ging es mit der Firma stetig bergauf. Fritz Kilian überstand selbst die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre unbeschadet, auch weil die Pharmaindustrie vom allgemeinen Abschwung nicht so stark betroffen war. Erst der Zweite Weltkrieg brachte die bittere Wende.

    Schonungsloser Niedergang

    Pharma

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    1940 zog sich Fritz Kilian aus dem aktiven Berufsleben zurück und übertrug die Geschäfte an seine beiden Söhne Fritz und Hans. Rückblickend war das der Anfang vom Ende. 1941 wurde Fritz Kilian junior jedoch bei einem Bombenabwurf auf seinen Nachtzug nach Hannover getötet. Sohn Hans Kilian hat die väterliche Maschinenfabrik mitten im Krieg übernommen und es geschafft, den Betrieb irgendwie aufrecht zu halten. Die gute Nachricht – die beiden Berliner Produktionsstätten in Hohenschönhausen und Lichtenberg überstanden das Kriegsende nahezu unbeschadet und Hans Kilian sah eine realistische Chance, die Produktion zusammen mit einem Großteil der alten Belegschaft wieder voll aufzunehmen. Er hat sich bewusst gegen einen Umzug der Familie nach Hamburg entschieden. 1946 wurde Hans Kilian von der sowjetischen Militäradministration festgenommen und zunächst in der Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen untergebracht. Von dort wurde er in das Speziallager Sachsenhausen bei Oranienburg überführt, wo er wahrscheinlich bereits 1947 an Tuberkulose verstarb. Die Gründe, die zu seiner Verhaftung geführt haben, wurden nie formell bestätigt.

    Nach dem plötzlichen Verschwinden des Geschäftsführers Hans Kilian kam der Betrieb der Maschinenfabrik Fritz Kilian endgültig zum Erliegen. Einigen Mitarbeitern, unter ihnen Fertigungsleiter Werner Rühe und Konstruktionsleiter Fritz Greter, gelang die Flucht in die westlichen Besatzungszonen – mit im Gepäck: zahlreiche Firmendokumente und Konstruktionszeichnungen.

    Wiederaufbau in Köln

    Noch im Todesjahr ihres Schwagers ergriff die Witwe von Fritz Kilian junior in Köln die Initiative zum Wiederaufbau des Unternehmens und kontaktierte zusammen mit den beiden geflüchteten Abteilungsleitern Rühe und Greter die Erben von Fritz Kilian senior. Bereits 1948 wurde mit der Firma Strunk ein Partner für die Fertigung gefunden und die Kilian & Co. GmbH in Köln Ehrenfeld als ordentliche Vertretung der Maschinenfabrik Fritz Kilian neu gegründet.

    Die internationale Nachfrage nach Kilian-Produkten war trotz der Kriegsjahre nicht eingebrochen. Durch den großen Bedarf an Ersatzteilen und Serviceleistungen überwand das Unternehmen die anfänglichen Startschwierigkeiten in der neuen Umgebung und brachte 1952 die erste vollständig verkleidete Kilian-Tablettenpresse „Made in Cologne“ auf den Markt.

    Zurück auf der Erfolgsspur

    Kilian war wieder zurück. 1953 übernahm der vermögende englische Fabrikant James Frank Marshall gemeinsam mit seiner Frau – der Witwe von Fritz Kilian junior – die Mehrheit der Anteile an der Kilian & Co GmbH. Im Zuge dessen wurde die Produktion an die Schmidding-Werke in Köln Niehl vergeben. Nach dem Tod Marshalls wurde Kilian 1976 schließlich komplett an die Schmidding-Werke veräußert und blieb bis 2000 ein Unternehmen in Privatbesitz. Dann kam es aus Mangel an geeigneten Nachfolgern zum Verkauf der Kilian & Co GmbH an die italienische Firmengruppe IMA S.p.A. 13 Jahre lang war Kilian Teil der weltweit operierenden IMA Group. In diese Zeit fiel auch der Umzug in das moderne Firmengebäude in der Scarlettallee 11 in Köln Niehl. 2013 übernahm der aktuelle Eigentümer Romaco den Hersteller von Tablettiertechnik und gliederte Kilian in seine Processing-Sparte ein.

    Heute reihen sich die Nachfolgemodelle der Komprimiermaschinen von Fritz Kilian in das Portfolio des Komplettanbieters Romaco ein, der mit seinen Technologien die gesamte Prozesskette zur Herstellung und Verpackung von Arzneimitteln und Non-Pharma-Produkten abbildet.

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