Vor 150 Jahren wurde in einer kleinen Schlosserwerkstatt in Berlin-Lichtenberg der Grundstein für das heutige Traditionsunternehmen Romaco Kilian gelegt. In dem 1875 eröffneten Betrieb des Vaters entdeckte der junge Friedrich Franz Otto Kilian seine Begeisterung für das Ingenieurwesen. Nach seiner Lehre als Mechaniker übernahm der Junior 1886 das Geschäft des früh verstorbenen Vaters. Im Auftrag der Berliner Apothekerschaft entwickelte Fritz Kilian verschiedene Pressvorrichtungen wie zum Beispiel eine handbetriebene Spindelpresse zur Produktion von Pastillen, für die er 1891 sein erstes Patent erhielt. Die Konstruktion einer automatisch arbeitenden Tablettenpresse war sein nächstes großes Ziel. Mit dem Prototyp überzeugte er die kaiserliche Militärverwaltung, was seine Auftragslage auf ein neues Niveau katapultierte. Fritz Kilian hatte sich als Unternehmer erstmals einen Namen gemacht, bezog mit seiner Firma neue Räumlichkeiten und gab ihr den Namen „Fabrik pharmaceutischer Maschinen und Geräthschaften“. 1898 folgte das Patent für seine Universalpresse – die Exzentertablettiermaschine 4D mit integrierter Bedruckung der fertigen Tabletten.
Gradliniger Aufstieg
Um den stetig wachsenden Auftragseingang bewältigen zu können, errichtete Fritz Kilian in Berlin-Lichtenberg ein neues Firmengebäude samt Wohnhaus und firmierte ab 1899 als „Fritz Kilian Maschinenfabrik“. Als Firmenlogo wählte er eine Pulvermühle mit seinen Initialen und verwies damit auf seine Expertise im Umgang mit den Rohstoffen der Tablettierung – Know-how, das auch damals schon für die Qualität des Endprodukts entscheidend war. Sein ganzheitlicher, kundenorientierter Ansatz sowie sein Weitblick bezüglich der Bedeutung von Komprimaten für die verschiedenen Industriezweige waren Schlüssel seines unternehmerischen Erfolgs.
Mit dem Bau eines zweiten Werks in Berlin-Hohenschönhausen vergrößerte Fritz Kilian die Produktionskapazitäten ab 1905 entscheidend und schaffte damit die idealen Voraussetzungen für ein modernes Unternehmen mit über 100 Mitarbeitenden und zahlreichen Auslandsvertretungen, unter anderem in den USA und Großbritannien. 1913 wurde er auf der Expo in Gent (Belgien) mit dem „Grand Prix“ für seine Automaten zur Herstellung pharmazeutischer Produkte ausgezeichnet. Im Laufe seiner langen Karriere ließ er zahlreiche seiner Erfindungen weltweit durch über 60 Patente schützen. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand mit 74 Jahren ging es mit der Firma stetig bergauf. Fritz Kilian überstand selbst die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre unbeschadet, auch weil die Pharmaindustrie vom allgemeinen Abschwung nicht so stark betroffen war. Erst der Zweite Weltkrieg brachte die bittere Wende.




