Je komplexer die Aufgabenstellung, umso schöner die Herausforderung – mit diesem Statement empfängt Nordfels die Besucher seiner Homepage. Tatsächlich kennen die Österreicher aus Bad Leonfelden im Mühlviertel keine Berührungsängste, wenn es um die Realisierung schwieriger Automatisierungsprojekte in unterschiedlichsten Branchen geht.
„Abgesehen von Standardanlagen, die bereits am Markt verfügbar sind, machen wir praktisch alles. Wir realisieren branchen- und kundenspezifische Lösungen und sind mit den geltenden Standards sensibler Industriebereiche vertraut. Nachdem wir auch über reichlich Erfahrung in der Pharmabranche verfügen, passte das Projekt Glasampullenhandling ebenfalls perfekt in unser Portfolio“, verrät Bernhard Schaubschläger, Projektleiter bei Nordfels.
Dabei lässt sich die Aufgabenstellung einfach erklären: Befüllte Glasampullen sollen zu Losen mit jeweils 100 Einheiten in Faltschachteln verpackt werden, die fertig bedruckt die finale Verpackungslinie verlassen. Was sich einfach anhört, wird bei der empfindlichen, gläsernen Fracht, den strengen Hygieneanforderungen der Pharmaindustrie sowie den komplizierten Greif- und Handhabungsvorgängen zum schwer lösbaren Projekt.
Sechsachsroboter favorisiert
Bei Nordfels ging man die Aufgabenstellung sehr strukturiert an und kam schnell zu dem Schluss, dass nur der Einsatz eines geeigneten Sechsachsroboters zu einer effizienten Lösung mit vertretbarem Raumbedarf führen würde. Dass die Wahl dabei auf einen Sechsachser des Herstellers Stäubli fiel, ist nur allzu verständlich. Dazu Schaubschläger: „Die Stäubli-Maschinen sind bei Medizin- und Pharmaeinsätzen aufgrund ihres Hygienedesigns Referenz. Wir entschieden uns für einen TX60, weil er wie alle Sechsachser der TX-Baureihen bereits in Standardausführung Reinraumklasse ISO 5 erfüllt, alle Medienleitungen bis zur Handachse innerhalb des Arms verlaufen und sämtliche Anschlüsse von unten durch den Robotersockel erfolgen können.“
Der Blick auf das Anlagenlayout weist den Roboter als zentralen Baustein der kompletten Verpackungslinie aus. Sein Aufgabenspektrum sieht folgendermaßen aus: Die Glasampullen erreichen die Anlage über eine zehnspurige Stauförderstrecke. An deren Ende übernimmt der TX60 alle 100 Glasampullen mit nur einem Griff und legt sie in einer Faltschachtel ab. Allein in diesem Prozessschritt steckt viel Know-how. Denn der Roboter muss im ersten Step ein Kartongitter mit 100 Aussparungen aus einem Magazin abholen und über die 100 Glasampullen stülpen. Das Gitter dient als Abstandshalter und soll Beschädigungen der empfindlichen Glasampullen verhindern.
Komplexe Greiftechnik
Erfordert bereits das Aufstecken des Kartongitters bei den einhundert Einzelpositionen einen exakt berechneten Bewegungsablauf des Roboters, erwies sich das anschließende Greifen der einzelnen Ampullen als echte technische Herausforderung. Schaubschläger erinnert sich: „Wir hatten einen kompletten Vakuumgreifer mit 100 Einzelsegmenten konstruiert und bereits im Einsatz und mussten dann feststellen, dass die Glasampullen durch den Abschmelzprozess beim Verschließen in Form und Länge gewisse Unterschiede aufweisen, was ein prozesssicheres Greifen über Vakuum unmöglich machte.“



