Die virtuelle Inbetriebnahme (VIBN) beschreibt das Testen und Validieren von Steuerungssoftware und Automatisierungslösungen an einem digitalen Anlagenmodell, bevor die reale Hardware verfügbar ist oder in Betrieb genommen wird. Grundlage ist ein Simulationsmodell der Mechanik, Kinematik und des Materialflusses einer Anlage, das in einer Simulationsumgebung betrieben und mit der realen oder emulierten Steuerungssoftware verbunden wird. Dabei werden drei Ansätze unterschieden: Model-in-the-Loop (MiL), Software-in-the-Loop (SiL) und Hardware-in-the-Loop (HiL), die in unterschiedlichen Entwicklungsphasen zum Einsatz kommen. Die VIBN verkürzt die reale Inbetriebnahmezeit erheblich, da Fehler in der Steuerungslogik bereits in frühen Projektphasen identifiziert und korrigiert werden können. Sie ist eng mit dem Konzept des Digitalen Zwillings verknüpft, da das Simulationsmodell typischerweise auf Basis von CAD- und Engineering-Daten aufgebaut wird; die Überführung erfordert jedoch in der Regel manuelle Aufbereitungsschritte (u.a. Kinematisierung, Sensor-Aktor-Definition). Typische Einsatzgebiete sind der Sondermaschinenbau, die Automobilindustrie sowie komplexe Fördertechnik- und Robotikanlagen. Standards wie die IEC 62714 (AutomationML) unterstützen den Datenaustausch zwischen Engineering-Werkzeugen verschiedener Disziplinen und Simulationsumgebungen.
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Virtuelle Inbetriebnahme
Software & EngineeringQuelle: wirautomatisierer-Redaktion