Die Primärverpackung steht in direktem Kontakt mit dem Arzneimittel und übernimmt damit eine doppelte Funktion: Sie schützt das Produkt vor physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Einflüssen – und ist gleichzeitig integraler Bestandteil des zugelassenen Arzneimittels. Für feste Arzneiformen wie Tabletten, Hart- und Weichkapseln sowie Granulate oder Pellets stehen im Wesentlichen drei Primärverpackungssysteme zur Verfügung: der Blister, die Flasche oder Dose sowie das Sachet oder Stick-Pack. Jede dieser Verpackungsformen bringt spezifische technische, regulatorische und maschinentechnische Anforderungen mit sich, die bereits in der frühen Produktentwicklung berücksichtigt werden müssen.
Die Entscheidung für ein Verpackungssystem ist selten trivial. Sie wird von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst: den physikochemischen Eigenschaften des Wirkstoffs und der Formulierung, den geforderten Barriereeigenschaften gegenüber Feuchtigkeit, Sauerstoff und Licht, den Anforderungen an die Kindersicherheit, der Dosierform und Einnahmefrequenz sowie den ökonomischen und logistischen Rahmenbedingungen der Produktion. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben aus ICH Q1A bis Q1F zur Stabilitätsprüfung, aus der Ph. Eur. zu Verpackungsmaterialien sowie länderspezifische Anforderungen an Kennzeichnung und Erstöffnungsschutz.
Blistertechnologie: Thermoformen und Kaltformen im Vergleich
Der Blister ist die weltweit am häufigsten eingesetzte Primärverpackung für feste Arzneiformen. Er besteht aus einer Formfolie, in die Kavitäten geformt werden, sowie einer Deckfolie, die nach dem Befüllen aufsiegelt wird. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen thermogeformten und kaltgeformten Blistern. Beim Thermoformen wird eine Kunststofffolie – überwiegend PVC, PVC/PVDC-Verbunde oder zunehmend polyolefinbasierte Materialien – durch Wärme und Druckluft oder ein mechanisches Werkzeug in Form gebracht. Kaltgeformte Blister hingegen, auch als Aluminiumblister bezeichnet, werden ohne Erwärmung durch mechanisches Drücken umgeformt. Die verwendete Verbundfolie aus Aluminium, Polyamid und Polyethylen bietet nahezu vollständige Barriere gegenüber Wasserdampf und Sauerstoff, was sie für feuchtigkeits- und sauerstoffempfindliche Produkte zur bevorzugten Lösung macht.
Thermogeformte Blister bieten gegenüber dem Kaltformblistern wirtschaftliche Vorteile bei hohen Stückzahlen und lassen sich in der Regel mit höheren Maschinengeschwindigkeiten produzieren. Die Barriereeigenschaften sind jedoch materialabhängig und müssen durch die Stabilitätsprüfung des Produkts validiert werden. Entscheidend für die Qualität des Blisterprozesses sind die Siegelparameter – Temperatur, Druck und Zeit –, die eine dauerhaft dichte und gleichmäßige Siegelnaht sicherstellen. Moderne Blistermaschinen arbeiten kontinuierlich oder intermittierend und integrieren Inline-Kontrollsysteme zur Vollständigkeitsprüfung der Kavitäten sowie zur Dichtheitsprüfung einzelner Blistereinheiten.




