In der Herstellung fester Arzneiformen nimmt die Granulierung eine Schlüsselrolle ein: Sie verbessert die Fließfähigkeit und Verdichtbarkeit von Pulvermischungen, reduziert Entmischungsneigungen und erleichtert die gleichmäßige Dosierung bei der anschließenden Tablettierung oder Kapselfüllung. Unter den verschiedenen Granulierverfahren ist die Feuchtgranulierung – auch Nassgranulierung genannt – nach wie vor das am weitesten verbreitete. Trotz des wachsenden Interesses an lösungsmittelfreien Alternativverfahren bleibt sie industrieller Standard für eine Vielzahl von Wirkstoffen und Formulierungen.
Die Feuchtgranulierung nutzt eine Granulierlösung oder -suspension – in der Regel wässrige oder hydro-alkoholische Bindemittellösungen – um Primärpartikel miteinander zu verbinden und definierte Agglomerate zu erzeugen. Das entstehende Granulat weist im Vergleich zum Ausgangspulver verbesserte mechanische und strömungsmechanische Eigenschaften auf, was sowohl die Verarbeitbarkeit als auch die Produktqualität positiv beeinflusst.
Mechanismen der Agglomeration: Wie Granulate entstehen
Die Bildung von Granulaten in der Feuchtgranulierung lässt sich auf drei grundlegende Mechanismen zurückführen: Benetzung und Keimbildung, Koaleszenz und Wachstum sowie Konsolidierung und Bruch. In der Keimbildungsphase bilden sich durch die aufgebrachte Flüssigkeit erste Brücken zwischen benachbarten Primärpartikeln. Diese flüssigen Brücken erzeugen Kapillarkräfte und Adhäsionskräfte, die die Partikel zusammenhalten.
Mit zunehmender Flüssigkeitszugabe wachsen die entstandenen Keime durch Koaleszenz: Zwei Granulatpartikel verschmelzen beim Aufeinandertreffen, sofern die Viskosität der Oberflächenflüssigkeit und die mechanische Energie im System dies erlauben. Parallel dazu wirken Scherkräfte im Mischer, die größere Agglomerate wieder aufbrechen. Das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Bruch bestimmt letztlich die Granulatkorngröße und die Korngrößenverteilung. Bei der abschließenden Konsolidierung verdichten sich die Granulatpartikel durch mechanischen Stress und Flüssigkeitsverlagerung, was die Porosität und Festigkeit des Endprodukts beeinflusst.
Bindemittel und Granulierlösungen: Auswahl und Funktion
Das Bindemittel ist die zentrale Komponente der Granulierlösung. Es sorgt für ausreichende Haftkräfte zwischen den Primärpartikeln und gewährleistet nach der Trocknung eine mechanisch stabile Granulatstruktur. Gebräuchliche Bindemittel sind Polyvinylpyrrolidon (PVP), Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC), Hydroxypropylcellulose (HPC) sowie Stärke und deren Derivate. Die Auswahl richtet sich nach der Kompatibilität mit dem Wirkstoff, den rheologischen Anforderungen an die Granulierlösung sowie den gewünschten Granulateigenschaften wie Härte, Porosität und Lösungsverhalten.




