Der Autor: Günter Eckhardt, Chefredakteur, Pharmaproduktion
Der zunehmende Markt- und Kostendruck auf pharmazeutische Unternehmen und steigende Behördenanforderungen, beispielsweise von Seiten der FDA oder der EMA, erfordern eine regelmäßige Modernisierung von Anlagen und Apparaten für diese Branche. „Auch die Erneuerung bzw. Aktualisierung der Automatisierungsumgebung spielt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle“, betonte Dr. Eckhard Roos, Leiter des Segmentmanagements Process Automation von Festo bei der Eröffnung des zweitägigen Pharmakongresses „Pharmaanlagen clever automatisieren“ Ende Oktober in Hamburg.
Das große Spannungsfeld zwischen Automatisierung und GMP beschrieb Dr. Martin Kern, Plant Manager bei Hermes Pharma, gleich zu Beginn der Veranstaltung anhand eines bereits seit 1968 im Einsatz befindlichen Systems, dem Topo-Granulator. Diese Anlage dient bei Hermes Pharma zum Mischen, Granulieren, Trocknen und Sieben von säureempfindlichen Wirkstoffen. Der geschlossene Apparat reduziert die Feuchteempfindlichkeit der Granulate und ermöglicht dadurch eine lange Stabilität. Eindrucksvoll schilderte er die unterschiedlichen Automatisierungsstufen, die dieses System in den zurückliegenden 42 Jahren immer auf den neuesten Stand der Technik gebracht haben, bis hin zu der Anschaffung eines übergeordneten Leitsystems für alle Granulatoren zwischen 2008 und 2010. Das Leitsystem ermöglicht heute die Auftragsverteilung und -verwaltung, die rezeptgesteuerte Abarbeitung der Aufträge und eine zentrale Datenerfassung und -auswertung mit InTouch. Es ist an ein MES-System und ein zentrales Wiegesystem angebunden. Trotz vieler positiver Entwicklungen sieht Dr. Kern nach wie vor große Schwierigkeiten, neue Automatisierungstechnologien in bestehende, gut funktionierende Anlagen wie den Topo-Granulator einzubringen. „Auch cGMP“, so Dr. Kern, „erfordert extreme Anstrengungen.“ Trotzdem ist der Anteil der Fehlchargen bei Hermes Pharma durch die zunehmende Automatisierung stark zurückgegangen. Waren früher noch bis zu zehn Fehlchargen/Jahr üblich, ist es nach der aktuellen Automatisierung noch zu keiner Fehlcharge gekommen.
Über die zunehmende Verwendung von Single Use-Anlagenkomponenten bei der Modernisierung von Biotech-Prozessanlagen berichtete anschließend Wilfried Kappel, Director of Automation bei Sartorius Stedim Systems. Kappel sieht derzeit einen Trend in Richtung von Hybrid-Systemen, also einem Mix aus zunehmendem Disposable-Anteil und fest installierten Edelstahlkomponenten. Hierdurch entsteht allerdings ein erhöhter Platz- und Handlingsaufwand. „Die Schwierigkeit hierbei ist“, betont Kappel, „die Technologien intelligent miteinander zu verbinden und die Vorteile von beiden Seiten sinnvoll zu nutzen, um Kosten zu sparen, Kontaminationen zu vermeiden und die Flexibilität der Anlage zu steigern. Bei Single Use-Anlagenkomponenten fallen beispielsweise bei einem häufigen Produktwechsel die sonst erforderlichen CIP-/SIP-Reinigungsprozeduren weg, außerdem ist ein geringerer Automatisierungsgrad als bei fest installierten Anlagen notwendig.“




